Achtes Dietzenbacher Friedensgebet am Samstag, 22. September 2018 auf dem Europaplatz am "Engel der Kulturen"

Friedensgebet 2018























 

 

Begrüßung durch Horst Schäfer, Sprecher der ARD

Liebe Besucher des 8.Dietzenbacher Friedensgebets, verehrte Sucher nach Frieden vor Ort und in einer Welt des Unfriedens,

zu Beginn des diesjährigen Dietzenbacher Friedensgebets hörten Sie Glockenklänge. Sie konnten bereits gestern Abend ab 18.00 Uhr – auch hier in Dietzenbach – die Glocken der Christus-Kirche, der Rut-Kirche, der Kirche St.Martin und der Waldkapelle gemeinsam  läuten hören.  Gibt es da einen Zusammenhang?

Ja, es gibt einen solchen Zusammenhang. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hatte am 21.September 1981 beschlossen: „Dieser Tag soll offiziell benannt und gefeiert werden als Weltfriedenstag (International Day of Peace) und soll genützt werden, um die Idee des Friedens sowohl innerhalb der Länder und Völker als auch zwischen ihnen zu beachten und zu stärken.“

Ende des Jahres 2017 trafen sich die nationalen Koordinatoren für das Europäische Kulturerbejahr. Dort wurde die Idee vorgestellt, anlässlich des Weltfriedenstages europaweit alle kirchlichen und weltlichen Glocken zu läuten. Ihr Motto sollte lauten: „Friede sei ihr erst Geläute! - Rringing the Bells“.  Die Idee wurde begeistert aufgenommen.

Glocken sind Zeugnisse einer uralten Kulturtradition. Ihr Klang ist gelebtes Erbe. Ihr Ziel: Die Menschen erreichen, bewegen, erinnern, ermuntern, ermahnen, stärken, trösten, verbinden, ganz auch im Sinne des Mottos der diesjährigen Interkulturellen Woche: „Vielfalt verbindet“. Auch die Vielfalt der Klänge verbindet. Passen diese Friedensgedanken in das aktuelle Zeitgeschehen?

Spüren Sie in diesen Tagen – alleine aus dem innenpolitischen Bereich abgeleitet - auch das Hin-und-Her-Gerissen-Sein zwischen begründeter rationaler und emotionaler Empörung und dem Wunsch nach Konsequenzen einerseits und dem ebenso gut begründeten pragmatischen Wunsch nach stabiler politischer Handlungsfähigkeit der Regierenden andererseits?

Die Nachrichten der letzten Wochen und Stunden zu Chemnitz, Köthen, aktuell gestern Abend zu Dortmund – mit Neo-Nazi-Parolen <wie „Wer Deutschland liebt, ist Antisemit.“> und Hitler-Grüßen bei Demonstrationen, mit dem Überfall auf einen jüdischen Restaurant-Besitzer in Chemnitz, mit dem erneuten öffentlichen Anpöbeln des Offenbacher Rabbiners Menachem Mendel Gurewitz - lösen bei vielen Menschen die Sorge aus, dass sich Unfrieden ausbreitet, dass sich die politisch rechts- und linksextremen Kräfte in diesem Lande plötzlich sehr schnell mobilisiert und verstärkt haben. Es breitet sich die Angst aus, diese Vorgänge stellten ein neues gefährliches politisches Phänomen in der BRD dar. Nicht nur ältere Menschen erachten sich an das Ende der Weimarer Republik erinnert mit den bekannten historischen Folgen von Krieg und Shoa. Diese aktuellen Ereignisse müssen zu Recht sehr empfindsam und sorgfältig beobachtet und bewertet und bekämpft werden. Denn zur Grundfeste und zur Staatsraison der BRD gehört das „Nie wieder!“ Dieses „Nie wieder!“ ist die wichtigste, vielleicht die einzige Lehre aus der deutschen Geschichte. Aber haben wir diese Lehre wirklich genügend verstanden und verinnerlicht?

Wir haben in den vergangenen Jahren in einzelnen Staaten Europas Tendenzen für rechtspopulistische, nationalistische und rechtsradikale Parteien, ja sogar antisemitische und anti-islamische Strömungen beobachten können. Und wir haben uns dabei – trotz des Münchner NSU-Prozesses und seiner Einblicke in rechtspopulistisches Gedankengut deutscher Behörden – eigentlich noch recht zufrieden gefühlt und gehofft, dass – gerade wegen der deutschen Geschichte des 20.Jahrhunderts - die Dämme gegen solche Entwicklungen hier in Deutschland höher sind. Wir haben – auch wegen der akribischen wissenschaftlichen Aufarbeitung dieser deutschen Geschichte - hoffen können, dass uns diese politischen Tendenzen so leicht nicht würden erreichen können. Aber Chemnitz und Köthen und Offenbach und Dortmund lassen uns heute erkennen, dass wir uns da nicht mehr sicher sein können.

Pessimistische Analysen finden große Beachtung. Aber müssen wir wirklich pessimistisch in die politische Zukunft schauen? Erinnern wir uns daran, dass in den 1980er Jahren in der BRD eine Partei Wahlerfolge erzielte, die den politisch korrekten, demokratisch klingenden Namen „Die Republikaner“ führte.  Ihre Wahlerfolge waren dramatische Ereignisse in der BRD. Denn ihr Leitmotiv war das einer „deutschen Kulturnation“ in Abgrenzung zur multikulturellen Gesellschaft. Ihr Programm beklagte ein von „massenhafter Zuwanderung“, von Medienindoktrination, von den etablierten Parteien gefährdetes oder beschädigtes Deutschland, in dem es keine Demokratie gebe. Ihre Wahlergebnisse liegen heute zwischen 0.1 bis 0,4 Prozent. Diese politischen Analysen und Vorstellungen finden sich heute ähnlich bis gleich im Wahlprogramm anderer rechtspopulistischer Parteien. Die Äußerungen einzelner AfD-Politiker sind heute vergleichsweise offen rassistisch und antisemitisch.

1991 ereigneten sich die rassistisch motivierten Übergriffe auf ein Flüchtlingswohnheim in Hoyerswerda, 1992 der Mordanschlag auf die türkische Familie Arslan in Mölln. Bundeskanzler Helmut Kohl nahm an der Trauerfeier für die Mordopfer von Mölln nicht teil, weil er sich nicht an „Beileidstourismus“ beteiligen wollte.

Der NS-verfolgte deutsche Schriftsteller Ralph Giordano hatte schmerzliche persönliche Lebenserfahrungen mit dem offen militanten Rechtsextremismus. Nach diesen neuerlichen Erfahrungen mit deutschem Rechtsradikalismus richtete er 992 einen offenen Brief an Helmut Kohl. Darin schrieb er, dass er bereit sei, „bis in den bewaffneten Selbstschutz hinein“ gegen den militanten Rechtsextremismus vorzugehen, da die Regierung offensichtlich nicht bereit sei, Minderheiten den notwendigen Schutz zu gewähren. Dieser Brief führte zu einem heftigen öffentlichen Diskurs.

Es wurde viel darüber geredet, wie sich Deutschland weiterentwickeln würde, ob das Land insgesamt politisch weiter nach rechts rücken werde. Das Ergebnis dieses mehrjährigen Diskurses war 1998 die erste rot-grüne Bundesregierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder. Und danach – ab 2005 – folgte die Kanzlerschaft von Angela Merkel. Und kann von ihrer Amtszeit ernsthaft behauptet werden, Deutschland sei seither nach rechts gerückt? Sich daran zu erinnern – so ernst die politische Situation zur Zeit auch sein mag – ist deshalb wichtig, weil wir auch mit Untergangsvorhersagen konfrontiert sind, die oft zu der Frage führen, ob wir derzeit vielleicht schon Weimarer Verhältnisse erleben.

Wir wissen, dass die radikalsten Untergangsvorhersagen zwar die höchste öffentliche Aufmerksamkeit bekommen, aber doch meistens falsch oder fehlbewertet sind. Ich habe in den vergangenen Jahrzehnten aufmerksam das Auf und Nieder radikaler politischer Strömungen in der BRD beobachtet, Ich habe auch die lokale NS-Vergangenheit erforscht und niedergeschrieben. Aus dieser Erfahrung abgeleitet habe mir einen vorsichtigen Optimismus zugelegt. Denn ich glaube, dass Menschen – letztlich auch in der Wahlkabine – trotz Protesthaltung vernunftgeleitet sind, dass sie aufwachen und aufstehen. Ich bin überzeugt, dass die meisten Menschen das gegenwärtig erlebte lautstarke Toben insbesondere der Rechtsextreme auf den Straßen nicht wollen. Ich vertraue auf die politisch Vernünftigen, auf die im politischen Mittelfeld, auf diejenigen, die sagen:

Auch AfD-Wähler können berechtigte – auch soziale – Sorgen haben, wollen ernst genommen und gehört werden, ohne Rechtsradikale sein zu wollen, ohne mit den Rechtsradikalen auf der Straße mitlaufen zu wollen. Man kann allerdings nicht jedes politische Problem auf Flüchtlinge und Migranten zurückführen. Nein, die Flüchtlinge und Asylsucher sind nicht „die Mutter aller politischen Probleme“ in diesem Lande!

Vielleicht kann ich die Gedanken vieler Besucher dieses 8.Dietzenbacher Friedensgebets dahin lenken zu erbitten, dass in den politischen Diskurs wieder die Bereitschaft, Geduld und Kraft einziehen möge, sich wechselseitig zuzuhören, und sich auch mal von einem besseren rationalen Argument überzeugen zu lassen, oder es einfach mal gelten zu lassen, und solche Diskussionseinsichten anzunehmen. Dies mag ein Weg sein, den Spalt in der Gesellschaft zu überwinden, wieder Konsens aufzuspüren und Frieden zu finden. Denn dies - und das Nicht-Vergessen der jüngeren deutschen Geschichte - haben unser Land jahrzehntelang so stark gemacht, auch wenn – hier in Dietzenbach – de Deiwel unnern Dach sitzen soll.

Der Internationale Chor Dietzenbach wird gleich Franz von Assisi’s Friedensgebet anstimmen, in dem es u.a heißt: … Wo Geduld ist und Demut, da ist nicht Zorn noch Verwirrung… Wo Erbarmen ist und rechtes Urteil, da ist nicht Übermaß noch Verhärtung …Dona nobis pacem. Tragen wir dazu bei, dass sich diese Weisheit endlich durchsetzt.

Friedensgebet 2018

 

 

 

 

 

 

 

 

Fürbitte der Evangelischen Martin-Luther-Gemeinde Dietzenbach-Steinberg für Versöhnung (vorgetragen von Kirchenvorsteherin Agnes von Knorre und Pfarrer Uwe Handschuch)

Vor über 260 Jahren dichtete Christian Fürchtegott, der zu seinen Lebzeiten meistgelesene deutsche Schriftsteller, folgende Zeilen:

Wir haben einen Gott und Herrn, / sind eines Leibes Glieder, / drum diene deinem Nächsten gern, / denn wir sind alle Brüder. / Gott schuf die Welt nicht bloß für mich, / mein Nächster ist sein Kind wie ich.

Vergibst mir täglich so viel Schuld, / du Herr von meinen Tagen; / ich aber sollte nicht Geduld / mit meinen Brüdern tragen, / dem nicht verzeihn, dem du vergibst, / und den nicht lieben, den du liebst?

Wir beten für Versöhnung:

Guter Gott, der erste Schritt aufeinander zu ist immer der schwerste. Und uns fallen tausend Gründe ein, auf unserer Position zu beharren oder in eine andere Richtung zu gehen. Guter Gott, einander die Hand zu reichen, fällt uns alles andere als leicht. Und uns fallen tausend Dinge ein, was wir statt dessen in die Hand nehmen oder wie wir uns zurückhalten könnten. Guter Gott, im anderen Menschen dein Kind zu sehen, trifft bei uns oft auf einen blinden Fleck. Wir sehen eher weg und wir sehen lieber auf uns selbst.

Guter Gott, hilf uns daran zu glauben, dass du uns alle geschaffen hast: nicht unbedingt so, wie wir gerade sind, aber so, wie wir sein könnten. Guter Gott, hilf uns darauf zu hoffen, dass du uns vergeben wirst: nicht damit wir gut vor dir dastehen, sondern damit wir deine Vergebung weitergeben und zueinander stehen können. Guter Gott, hilf uns so zu lieben, dass deine Welt in der Wärme deines göttlichen Lichtes erstrahlen kann: damit wir miteinander von deiner Versöhnung leben können. Amen.

Fürbitte der Katholischen Pfarrgemeinde St. Martin Dietzenbach für das Miteinander der Generationen (vorgetragen von Pfarrer Stefan Barton)

Barmherziger Gott und Vater, du hast deinen Sohn in unsere Welt gesandt, dass er unser Leben teilt. Er wurde in eine Familie hineingeboren und weiß um die Herausforderungen des Miteinanders der Generationen. Wir stehen auf den hohen Schultern unserer Väter und Mütter, unserer Großeltern und vieler Generationen. Gleichzeitig werden wir zu diesen hohen Schultern für jene, die nach uns kommen.

Führe die Generationen zu großer Achtsamkeit füreinander, dass jede Generation ihre Welt gestalten kann und immer mehr darum weiß, dass uns diese Welt nur auf Zeit zur Verfügung steht.

Schenke Frieden in den Familien, im Miteinander von Alt und Jung und sende deinen Heiligen Geist für ein gelingendes Leben im Miteinander der Generationen. Amen.

 

 

Fürbitte der Evangelischen Christus-Gemeinde Dietzenbach für Gerechtigkeit (vorgetragen von Pfarrer Manfred Senft)

Gütiger Gott, wir wünschen uns eine bessere Welt, eine gerechte Welt, in der Menschen einander achten und lieben, wo Krieg und Gewalt, Hass und Hetze, Ausbeutung und Ungerechtigkeit keine Rolle mehr spielen. Doch der Weg dorthin ist so weit und unsere Kraft so klein. Oft sind wir unsicher, haben Schwierigkeiten zwischen recht und Unrecht zu unterscheiden, können gut und böse nicht voneinander trennen. Oft sind wir auch zu bequem und zu feige, unsere Stimme für die Schwachen zu erheben, uns für gerechte Verhältnisse in Wirtschaft und Politik, in Kirche und Gesellschaft einzusetzen.

Wir bitten dich um eine klare Sicht der Dinge, um Mut für die richtigen Entscheidungen, um Kraft für die nötigen Schritte und Taten, damit wir deinem Auftrag, „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ Zu sein,  entsprechen. Amen.

 

 

Fürbitte der marokkanischen Tahwid-Moschee für gute Taten (vorgetragen von Quassim Lamrini)

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen, dem alles Lob gebührt, Allâh, dem Herrn der Welten, dem Herrscher am Jüngsten Tag. Wir preisen Ihn und bitten Ihn um Vergebung und Rechtleitung Wir suchen Zuflucht bei Ihm vor unserem eignen Übel und vor unseren schlechten Taten.

Sehr geehrte Mitbürger/-innen, der Mensch, im biologischen Sinne, ist als ein vollkommenes Wesen geschaffen. Er ist ein soziales Wesen, das mit technischen und kulturellen Fähigkeiten begabt ist  Der Schöpfer hat den Menschen mit geistigen und moralischen Werten ausgestattet und ihn in ein System der Nachfolgeschaft integriert. Die Propheten, die Gott der Erhabene einmal zu uns Menschen als Botschafter gesandt hat, sollten uns nicht nur die Religion lehren, sondern auch die Regeln des Zusammenlebens. Ich möchte Ihnen eine authentische Überlieferung des Hl. Propheten Mohammed vortragen:

Der Hl. Prophet Mohammed berichtete einmal: Ein Mann kam an einem Ast eines Baumes vorbei, der seinen Weg versperrte und so den Menschen Schaden zufügte. Er entfernte den Ast und Gott dankte ihm dafür und vergab ihm seine Sünden  Er wurde wegen dieser kleinen guten Tat ins Paradies eingelassen.

Diese Überlieferung lehrt uns die Nutzungsregeln der Straßen und der Wege. Und wir lernen von dieser Überlieferung weiter, dass uns – mit Erlaubnis des Herrn - eine einzige gute Tat ins Paradies bringen kann. Außerdem lernen wir davon, dass uns nicht nur Beten, Fasten, Spenden, die Teilnahme an Gottesdiensten usw. ins Paradies bringen können sondern selbst einfache gute Taten, von denen auch die Gesellschaft profitiert. Hören Sie sich diese Überlieferung bitte noch einmal an: Der Hl. Prophet Mohammed erzählte eimal: Ein Mann traf auf den Ast eines Baumes, der seinen Weg versperrte und so den Menschen Schaden zufügte. Er entfernte diesen Ast und Gott dankte ihm dafür und vergab ihm seine Sünden  Er wurde wegen dieser kleinen guten Tat ins Paradies eingelassen.

Der Hl. Prophet Mohammed hat die Wahrheit gesprochen und alle Propheten haben nur die Wahrheit gesprochen. Amen.

Fürbitte der Neuapostolischen Kirchengemeinde Dietzenbach für die Pflege der Gemeinschaft untereinander (vorgetragen von Peter Reichhardt)

Gütiger Gott, du hast die Menschen zur Gemeinschaft bestimmt. Zugleich sind wir auf sie angewiesen. Uns ist viel daran gelegen, Gemeinschaft untereinander zu suchen, zu erhalten, weiterzuführen und zu fördern. Gemeinschaft bedeutet Nahesein, Verbundensein und Teilhaben. Sie wirkt beeinflussend, bestimmend, verändernd. Jeder ist aufgerufen, die Gemeinschaft untereinander zu fördern. Man kommt einander menschlich näher, teilt Freud und Leid und ist innerlich miteinander verbunden.

Wenn es darum geht einander zu verstehen, zu trösten, zu helfen, dann ist unser Gemeinschaftssinn gefragt. Haben wir Gemeinschaft untereinander, wirkt das der – vor allem in der industrialisierten Welt zunehmenden –Vereinsamung entgegen, der Einzelne findet Geborgenheit. Gemeinschaft bringt im menschlichen Zusammenleben Verantwortung mit sich. Man darf nicht nur das eigene Wohl im Auge haben, man muss auch die Belange des Anderen sehen und darauf Rücksicht nehmen.

Gegenseitige Wertschätzung und Hochachtung müssen gleichfalls vorhanden sein. Jeder, der einer Gemeinschaft angehört, soll daraus Nutzen ziehen können. Geben – Nehmen! Auch Verzicht üben, um die gemeinsame Sache, das gemeinsame Ziel nicht zu gefährden. Wenn alle nach ihren Möglichkeiten das ihre tun, kommt dieses gemeinsame Mühen allen zugute; die Gemeinschaft wird als wohltuend und bereichernd empfunden.

Lieber Gott, segne die Gemeinschaft untereinander. Amen.

Fürbitte der Jesus-Gemeinde für Toleranz (vorgetragen von Pastorin Magdalena Fischer)

Liebe Friedensgemeinschaft, Jesus Christus wurde einmal gefragt: „Was ist das höchste Gebot?“ und er antwortete: „Das höchste Gebot ist, du sollst Gott deinen Herrn von ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.“ (nach Matthäus 22,36-40) Im Christentum geht es um die Liebe. Es geht im Christentum sogar soweit, dass wir das Böse mit dem Guten überwinden sollen. (nach Römer 12,21) Dem Apostel Paulus war sehr bewusst, dass es uns oft schwer fällt zu lieben. Deswegen hat er immer wieder dafür gebetet. Ein solches Gebet ist uns im Epheserbrief überliefert und dieses Gebet habe ich Ihnen mitgebracht. Sie können es im Brief an die Epheser 3,14-21 nachlesen. In diesem Gebet werden drei Fragen beantwortet: Woher kommt die Kraft zu lieben? Wie kann die Liebe und die Kraft Gottes in unserem Leben wirksam werden? Gibt es einen Schlüssel dazu, dass dies immer wieder geschieht?

Das erste, was der heilige Apostel Paulus sagt, ist, dass er sich vor Gott hinkniet und ihm dafür dankt, dass er der Schöpfer aller Menschen ist. Gott ist reich und gibt allen Menschen gerne von seiner Herrlichkeit und Kraft. Das Geheimnis der großen Liebe Gottes hat der Apostel Paulus in Christus entdeckt. Paulus ist dem auferstandenen Christus begegnet und hat die Kraft des Glaubens an seinem Leben erfahren. Eine unendlich große Liebe ist in sein Leben gekommen. Er erzählt davon, dass diese Liebe des Christus unser ganzes Leben umfasst. Diese Liebe ist höher als die höchsten Höhen, die wir erleben und tiefer als die tiefsten Tiefen, durch die wir gehen müssen. Sie umspannt unser Leben vom Anfang bis zum Ende und ist immer da. Der Apostel Paulus vergleicht unser Glaubensleben auch mit einem Baum, der gut gewurzelt ist, und mit einem Bauwerk, das auf einem guten Grund steht, wenn Christus in unserem Herzen wohnt. Er sagt, Gott kann uns mehr geben, als wir uns erahnen können. Er sagt, das Geheimnis einer guten Gemeinschaft liegt darin, dass wir alle Gott die Ehre geben und ihm für alles danken. Wenn wir das tun, schöpfen wir immer wieder Kraft einander anzunehmen und zu lieben.

Vater im Himmel, wir danken dir von Herzen, dass du unser Schöpfer bist und alle Menschen liebst. Wir danken dir, dass du ein reicher Gott bist, der allen gerne gibt. Wenn wir dich um Liebe und Kraft für unser Miteinander bitten, dann gibst du uns gerne und reichlich aus deinen göttlichen Schätzen. Du gibst uns neue Einsichten und ein gutes Miteinander. Du gibst uns Verständnis füreinander, lässt uns erkennen, dass jeder von uns durch sein Leben ein wichtiges Puzzleteil für das große Ganze unserer Gemeinschaft mitbringt und so das Miteinander bereichern kann. Danke, dass deine Liebe so groß ist, dass sie unser ganzes Leben umspannt, vom Anfang bis zum Ende, in den tiefsten Tiefen bist du da und in unseren Höhenflügen begleitest du uns.

Du hast deinen Sohn Jesus Christus in die Welt gesandt, damit wir deine große Liebe erkennen und erfahren können. Du vergleichst unser Glaubensleben an Christus mit einem Baum, der gute Wurzeln hat, und mit einem Bauwerk, das auf einen guten Grund gebaut ist. Danke, dass alles von dir kommt. Segne unser Miteinander in Dietzenbach und lass uns reifen in der Liebe und Kraft, die von dir kommt. Wir lieben dich. Amen.

Fürbitte der Ahmydiyya Muslim Jamaat für die Verantwortlichen in Politik und Religion (vorgetragen von Imam Kamal Ahmad)

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.  Lob sei Gott, dem Herrn der Menschen in aller Welt, dem Barmherzigen und Gnädigen, der am Tag des Gerichts herrscht. Dir dienen wir und dich bitten wir um Hilfe. Führe uns den geraden Weg, den Weg derer, denen du gnädig bist die nicht dem Zorn anheimfallen und nicht irregehen.(Koran Sure 1 Die Eröffnung)

O Allah, erfülle im Namen deines Heiligen Propheten Muhammad die Gebete, die er für uns sprach: Sayyad-ul-Qaumi Khadimuhu – Der Leiter des Volkes ist dessen Diener (Koran, aus der Sure 2)

O Allah, erwecke Liebe und Barmherzigkeit in den Herzen derer, die die Führer unter uns sind. O Allah, gewähre uns Kraft in allen guten Dingen - in Rechtschaffenheit und Frömmigkeit - einander zu helfen und zu kooperieren; doch halte uns fern von Sünde und Übertretung.

O Herr, belaste uns nicht über unser Vermögen. Jeder Seele wird, was sie verdient, und über sie kommt, was sie gesündigt. „O unser Herr, strafe uns nicht, wenn wir uns vergessen oder vergangen haben; Unser Herr, lege uns nicht eine Verantwortung auf, wie Du sie denen auferlegtest, die vor uns waren. Unser Herr, bürde uns nicht auf, wozu wir nicht die Kraft haben, und lösche unsere Sünden aus und gewähre uns Vergebung und habe Erbarmen mit uns.

Fürbitte der DITIB-Fatih-Moschee Dietzenbach für die Stärkung des Glaubens (vorgetragen von Jugendleiter Mehmet Sertdere)

In einem Hadith des Hl. Propheten Mohammed heißt es: „ Gebt Acht ! Im Körper gibt es einen Klumpen. Wenn er gesund ist, ist der gesamte Körper gesund. Wenn er aber schlecht ist, verdirbt der ganze Körper. Gebt Acht! Es ist das Herz.“

Für einen starken Glauben müssen wir unsere Herzen auf eine lange Reise einstellen. Unser ganzes Leben wird sich während dieser Reise abspielen. Auf dieser Reise ist Nachsicht und Geduld mit uns selbst geboten. Weltliche Freude ist meist nur ein Geschenk des Augenblicks. Doch anhaltender Glaube ist ein gewaltiges Geschenk. Ein Geschenk für ewige Freude.

Lasst uns unseren Glauben stärken. Lasst uns hierfür Gutes tun, täglich, durch Freundlichkeit, durch Großzügigkeit, durch Hilfsbereitschaft. Lasst uns unsere Handlungen mit dem Ziel verbinden, das Wohlgefallen des Herrn zu erlangen. Und lasst uns Sünden vermeiden, denn diese schwärzen die Herzen und schaden somit dem Glauben. Amen.

Fürbitte der Baha'i-Gemeindegruppe für Liebe, Einigkeit und Verständigung unter den Völkern (vorgetagen von Renate Bottmann)

Im Jahre 1911 wurde die libysche Hafenstadt Benghazi gegen starken Widerstand  der libyschen Bevölkerung von italienischen Kolonialtruppen angegriffen und erobert. Darauf reagierte Abdu’l Bahá, der damalige Leiter der Bahai’i-Gemeinde in einer Ansprache vom 21.Oktober 1911 mit folgenden Worten:

„Ich hoffe, dass ihr alle glücklich und wohlauf seid. Ich bin nicht glücklich, sondern sehr betrübt. Die Nachricht von der Schlacht bei Benghazi bekümmert mein Herz. … Krieg wird geführt, um den menschlichen Ehrgeiz zu befriedigen. Um des weltlichen Gewinnes einigerWeniger willen wird schreckliches Elend über unzählige Heime gebracht und das Herz von Hunderten von Männern und Frauen gebrochen.… Ich heiße euch alle und jeden von euch, alles, was ihr im Herzen habt, auf Liebe und Einigkeit zu richten. Wenn ein Kriegsgedanke kommt, so widersteht ihm mit einem stärkeren Gedanken des Friedens. Ein Hassgedanke muss durch einen mächtigeren Gedanken der Liebe vernichtet werden.

Kriegsgedanken zerstören alle Eintracht, Wohlfahrt, Ruhe und Freude. Gedanken der Liebe schaffen Kameradschaftlichkeit, Frieden, Freundschaft und Glückseligkeit. Wenn die Soldaten der Welt den Säbel ziehen, um zu töten, so schütteln die Soldaten Gottes einander die Hände. So mag durch die Gnade Gottes, die sich durch die reinen Herzen und aufrichtigen Seelen auswirkt, alle menschliche Wildheit schwinden. Haltet den Frieden der Welt nicht für ein unerreichbares Idealbild! Nichts ist für Gott unmöglich.

Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen. Verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit und Liebe werden den Hass besiegen. … Wendet beständig euren Blick dem Licht der Welt zu! Erzeiget allen Liebe, „Liebe ist der Hauch des Heiligen Geistes im Menschenherzen“.

Lasst eure Herzen vom innigen Wunsch erfüllt sein, dass Ruhe und Einklang diese streitende Welt umfangen mögen. So wird euer Bemühen von Erfolg gekrönt sein … In diesem Raum sind heute Angehörige vieler Rassen …in Freundschaft und Harmonie beisammen. Lasst diese Zusammenkunft eine Ahnung dessen sein, was sich wahrhaftig in dieser Welt ereignen wird, wenn jedes Gotteskind erkennt, dass sie alle Blätter eines Baumes, Blumen eines Gartens, Tropfen eines Meeres und Söhne und Töchter eines Vaters sind, dessen Name Liebe ist!“

Fürbitte im Namen der Jüdischen Gemeinde Offenbach für das Stillen von Friedenssehnsucht (vorgetragen von Jacob Hirschberg)

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, Frieden ist das Schönste, das man sich erträumen kann. Es gibt keinen oder nur wenig Hass, aber dafür ganz viel Liebe. Frieden ist etwas ganz Großes, etwas, das man nicht alleine erreichen kann sondern nur, wenn alle Hand in Hand zusammen dafür arbeiten. Doch was genau können wir tun, damit es endlich Frieden auf unserer Welt gibt? Wie kann man sich Weltfrieden überhaupt vorstellen?

König David, der u.a. für seine wunderschönen Psalmen (Lobgesänge für Gott) bekannt ist, gibt uns in seinem 122. Psalm eine Antwort auf diese Frage. Auch König David wollte von seinem ganzen Herzen Frieden und stets nur das Beste für die Welt. In seiner Jugend hatte er versucht, dies im Kampfe zu erreichen. Doch die Aussicht auf Frieden war noch weit weg. Deshalb bat er G´tt in seinen vielen Gebeten stets um Frieden und bekam eine Antwort. So fing er an mit jedem Menschen, nicht nur mit seinen Brüdern, sondern auch mit jedem in seinem erreichbaren Umfeld, zu reden. Er hörte zu, er diskutierte, er versuchte seine Meinung zu vertreten, aber andererseits auch die Meinung der Anderen zu hören und sie zu verstehen. Dies war das Fundament, auf dem sein Nachfolger König Salomon bauen konnte. Und so erreichte Jerusalem seine Größe, wo selbst heute noch Menschen verschiedener Religionen miteinander leben, reden und sich gegenseitig zuhören.

Ich denke daher, dass wir Weltfrieden wirklich erreichen können. Wir müssen einfach nur noch besser lernen, Vorurteile abzubauen und einfach offen mit jedem sprechen und ihm zuhören. Viele Meinungen und Unterschiede sind etwas Gutes. Sie helfen uns stets unseren Standpunkt und unsere Meinung zu überprüfen und zu überdenken. Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jeder auf Sie zukommt und über Sie als Person lernen möchte und Sie auch auf jeden zugehen um von jedem Menschen zu lernen. Ich frage mich, wenn wir all die guten Gedanken und Ansichten eines jeden Menschen zusammentun und versuchen würden sie umzusetzen, was wir dann erreichen könnten?

Für meine Brüder und all meine Nächsten möchte ich um Frieden bitten und über Frieden sprechen. Für das Haus (der Größe) G´ttes bitte ich, dass Ihnen (all meinen Brüdern und Nächsten) nur Gutes geschieht. Amen.

Fürbitte für Mut und Kraft zum Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit von Frau Helga Giardino (Ausländerbeirat der Stadt Dietzenbach)

Wir sind hier gemeinsam mit verschiedenen Glaubensgemeinschaften versammelt um miteinander zu sprechen und zu beten.

Wir haben einen Wunsch und eine Hoffnung, die wir alle teilen: Wir wollen dich um Frieden bitten. Wir leben in einer unfriedlichen Welt, zerrissen durch Kriege und Ungerechtigkeiten. Wir brauchen Frieden für unser Leben mehr denn je. Die Herausforderung des Friedens, wie sie sich gegenwärtig dem Menschen stellt, übersteigt die religiösen Differenzen. Wir sind jetzt einig in unserem Gebet. Wir beten um Frieden und bitten dich:

Gott, Allah, mach’ uns zu einem Werkzeug deines Friedens. Wo Hass herrscht, lass’ uns Liebe entfachen. Wo Beleidigung herrscht, lass’ uns Vergebung entfachen. Wo Zerstrittenheit herrscht, lass’ uns Einigkeit entfachen. Wo Irrtum herrscht, lass’ uns Wahrheit entfachen. Wo Zweifel herrscht, lass’ uns Glauben entfachen. Wo Verzweiflung herrscht, lass’ uns Hoffnung entfachen. Wo Finsternis herrscht,  lass uns dein Licht entfachen. Wo Kummer herrscht, lass’ uns Freude entfachen.

Oh Gott, gib’ uns den Mut, dass wir bereit sind, unerschrocken für Gerechtigkeit, die Verwirklichung eines gerechten Friedens und für die Verständigung der Völker und Religionen einzutreten. Gib’ uns die Fähigkeit, die Lage der Armen und Entrechteten zu verstehen und zu bessern. Hilf’ uns die Flamme der Kriege auszulöschen, in Syrien, im Irak, im Jemen, in Afghanistan, in Somalia, in Myanmar, und in anderen Ländern, wo Krieg und Zerstörung wüten.

Gib uns Kraft und lass’ uns nicht verzagen, wenn wir den Opfern der Kriege helfen, insbesondere den Menschen, die bei uns Zuflucht suchen. Öffne unsere Herzen und Hände, um ihre Leiden zu mildern. Oh Herr, halte uns nicht vor, wenn wir es vergessen oder einen Fehler begangen haben (Koran 2:286). Du bist barmherzig und gnädig. Gib uns Frieden und führe uns aus der Finsternis zum Licht. Amen.