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  • Präambel

    ARBEITSGEMSCHAFTEN DER RELIGIONEN IN DIETZENBACH (ARD) - GRUNDSÄTZE

    Präambel

    Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der Religionen in Dietzenbach erstreben den gleichberechtigten, friedlichen, vorurteilsfreien, verträglichen, respektvollen, aber auch kritischen Meinungsaustausch, die vertrauensvolle Begegnung und Zusammenarbeit im Alltag, und das bessere Kennenlernen und Verständnis des Andersgläubigen.

    Regeln

    • Die Arbeitsgemeinschaft soll sich im Regelfall dreimal pro Jahr treffen.
    • An den Sitzungen sollen maximal zwei Vertreter/-innen  jeder Gemeinde teilnehmen. Dabei soll mindestens ein Vertreter/-in jeder Gemeinde aus dem vorangegangenen Treffen teilnehmen.
    • Die Sitzungen finden abwechselnd - und auf jeweilige Einladung - bei einer  Gemeinde der Arbeitsgemeinschaft der Religionen statt und werden von der jeweils gastgebenden Gemeinde geleitet.
    • Die Sitzungen können – auf einzelnen Beschluss hin – auch öffentlich stattfinden.
    • Über die Sitzungen fertigt die jeweils gastgebende Gemeinde eine Niederschrift an und verteilt sie an die übrigen Mitglieder. Die Protokollanfertigung kann delegiert werden. Die Sitzungsniederschrift ist allen Mitgliedern spätestens zwei Wochen vor der nächsten Sitzung zu übermitteln. In der nächsten Sitzung ist über die Genehmigung der Niederschrift zu entscheiden.
    • Die Arbeitsgemeinschaft kann öffentliche Stellungnahmen und Presseerklärungen zu Themen abgeben, die mit den gesetzten Zielen und Aufgaben in Verbindung stehen.
    • Die Arbeitsgemeinschaft trifft keine – die einzelnen Gemeinschaften bindenden -  Beschlüsse, insbesondere keine theologisch bindenden Beschlüsse.
    • Beschlüsse/Kommuniqués/Resolutionen/Verlautbarungen werden mit Dreiviertel-Mehrheit der Anwesenden gefasst. Dabei haben jede Kirchengemeinde und jeder Moscheeverein immer jeweils nur eine Stimme. Die Versammlung ist beschlussfähig, wenn Vertreter/-innen von  mindestens Dreivierteln der vertretenen Gemeinden anwesend sind. Eine Gemeinde kann ihre in der Beratung vertretene abweichende Meinung zu der Entscheidung oder zu deren Begründung in einem Sondervotum niederlegen; das Sondervotum ist der Entscheidung anzuschließen. Die Arbeitsgemeinschaft der Religionen kann in ihren Entscheidungen auch das Abstimmungsverhältnis mitteilen. In wichtigen Angelegenheiten ist den Mitgliedern Gelegenheit zur Befragung ihrer Gemeinden zu geben.
    • Die Arbeitsgemeinschaft der Religionen wählt für die Dauer eines Jahres eine(n) Sprecher/-in. Der/Die Sprecher/-in muss nicht Mitglied der Arbeitsgemeinschaft sein. 

    Ziele:

    Die Arbeitsgemeinschaftt versteht die Kooperation der Religionen in Dietzenbach als einen wichtigen friedensstiftenden, integrationsfördernden und das kulturelle Leben bereichernden Faktor im menschlichen Leben. Sie beschäftigt sich mit gesellschaftlichen und politischen Themen in der Stadt Dietzenbach und nimmt Stellung zu Fragen des Zusammenlebens. Sie will den Kontakt, die kontinuierliche und verlässliche Vernetzung und das gegenseitige Verständnis unter den in der Stadt vertretenen Religionen und Religionsgemeinschaften (z.B. Kirchengemeinden und Moscheevereine) stützen und fördern. Sie will verhindern, dass Religionen und Religionsgemeinschaften für Zwecke der Politik instrumentalisiert und missbraucht werden. Ein allgemeines politisches Mandat der Arbeitsgemeinschaft ist ausgeschlossen. Die Arbeitsgemeinschaft will dazu beitragen, dass Religion nicht als Faktor der Trennung und Entfremdung voneinander wahrgenommen und dargestellt wird sondern als Quelle des friedlichen Zusammenlebens und als Brücke der Verständigung. Sie ist offen für die Aufnahme weiterer Religionsgemeinschaften in Dietzenbach, sofern sie gemeindliche oder gemeinde-/vereinsähnliche Strukturen aufweisen, und soweit sie die Regeln, Ziele und Pflichten der Arbeitsgemeinschaft der Religionen anerkennen.

    Pflichten der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

    Die Mitglieder verpflichten sich zur/zum

    • Anerkennung der Gedanken- , Gewissens- und Religionsfreiheit in der alleinigen Fassung des Art.18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen („Jeder Mensch hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft mit anderen in der Öffentlichkeit oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Vollziehung eines Ritus zu bekunden.“)
    • Achtung des Grundgesetzes und der darin garantierten positiven wie negativen Religionsfreiheit;Verbot jeder Form von Diskriminierung aufgrund der Religion, des Geschlechts, der Hautfarbe, der Kultur, der Herkunft und des sozialen Status;
    • Abwägung der Religionsfreiheit mit konkurrierenden Grundrechten in säkularem Staats- und Rechtsverständnis;
    • Recht auf freie Meinungsäußerung, die die Integrität des Andersgläubigen achtet;
    • respektvollen Kooperation, die die jeweilige Eigenständigkeit und das Existenzrecht der Religionsgemeinschaften und Gemeinden akzeptiert;
    • Bereitschaft, Gemeinsamkeiten zu suchen und Unterschiede zu achten;
    • Verzicht auf Missionierung im Sinne des Drängens zum Religionswechsel („Kein Zwang im Glauben“,Koran 2:256);
    • Verzicht auf jegliche Formen des religiösen Fanatismus und der Intoleranz;
    • Gewaltfreiheit im Umgang mit Konflikten;
    • Respekt auch vor Atheisten, Agnostikern, Apostaten und Nonkonformisten.

    Aufgaben:

    Die Arbeitsgemeinschaft soll zu einem offenen, vorbehaltlosen Verstehen der Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeiten, zum Verständnis der Unterschiede zwischen religiösen und kulturellen Bräuchen beitragen, gemeinsame Aktivitäten entwickeln und den öffentlichen Diskurs über religionsbezogene Themen versachlichen. Dazu gehören z.B. gemeinsame Teilnahme an religiösen Handlungen, gemeinsames Friedensgebet, Veranstaltungen zu religionsübergreifenden Pflichten/Bräuchen (Fasten, Beten, Spenden, Pilgern, karitatives Wirken, Teilnahme an den Festen zu den höchsten Feiertagen der anderen Religionen), der Kontakt zu Schulen, Teilnahme an schulischen Projekten, gemeinsame Reisen, gemeinsame Literaturveranstaltungen, gemeinsame Veranstaltungen und Unternehmungen für Jugendliche und Frauen, etc. Die Arbeitsgemeinschaft soll in der Stadt auch zu Konflikten mit religiösem Hintergrund Stellung nehmen, z.B. zu Moscheebauvorhaben, zu Fragen der Bildung und Erziehung. 

    Dietzenbach, 11. Juni 2011

  • Mitgliedsgemeinschaften
  • Geschichte

    Die türkische Fatih-Moschee-Gemeinde wurde 1978 gegründet, die marokkanische Tawhid-Moschee-Gemeinde gibt es seit der 1980er Jahren und die pakistanische Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde gibt es gar seit den 1960er Jahren in Dietzenbach. Der Anteil der Mitbürger muslimischen Glaubens ist inzwischen auf 20-25 % gestiegen. In diesen 3-4 Jahrzehnten hatten sich trotz alljährlicher Interkultureller Wochen, trotz einiger Initiativen des Ausländerbeirates, trotz des Hessentages 2001 und trotz der vorbildlichen integrativen Arbeit der Rut-Gemeinde unter der Leitung von Pfarrerin Susanne Lenz in Dietzenbach keine dauerhaften Kontakte zwischen den Christen und den Muslimen der Stadt gebildet.

    Erst in den Jahren 2007-2009 gab es aus allen christlichen Gemeinden heraus Bestrebungen, mit den muslimischen Gemeinden in der Stadt Kontakte aufzunehmen mit dem Ziel der Herstellung dauerhafter Beziehungen. Man war der Meinung, die Christen und die Muslime in der Stadt wüssten zu wenig voneinander. Das lediglich durch Medien, Kommunalpolitiker und Lokalpresse geprägte Wissen über die Moscheen und die muslimische Bevölkerung wurde als unzureichend erachtet. Es entstand der Wunsch, im kontinuierlichen persönlichen Umgang eigene Erfahrungen zwischen Christen und Muslimen entstehen zu lassen. So fanden zwischen Kirchen- und Moscheenrepräsentanten mehrere Treffen statt. Verlässliche Verabredungen konnten jedoch nicht getroffen werden, gemeinsame Veranstaltungen nicht geplant werden, weil an den Treffen häufig wechselnde Personen teilnahmen. So verliefen diese Treffen im Jahre 2009 im Sande.

    Im Laufe des Jahres 2009 verständigten sich die evangelische Christuskirchengemeinde, die evangelische Martin-Luther-Gemeinde, die evangelische Rut-Gemeinde und die römisch-katholische Pfarrgemeinde St.Martin über die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Dietzenbach. Sie wurde im Mai 2010 gegründet.

    Auch vor dem Hintergrund der heftigen kommunalpolitischen Auseinandersetzungen um die Einrichtung einer Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde im Theodor-Heuss-Ring wurde der ACK bewußt, daß die freie Religionsausübung alle Religionsgemeinden betrifft, und daß auch sie sich für die Religionsfreiheit einsetzen müssen. Es lag nahe, einen Dialog der Dietzenbacher Religionsgemeinden erneut anzustoßen. In dieser Zeit kam es zu einem intensiven Kontakt der Pfarrer der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden mit dem ehemaligen Verwaltungsrichter Horst Schäfer. Dieser brachte aufgrund seiner Berufstätigkeit und seines breiten interkulturellen und interreligiösen Engagements die besten Voraussetzungen mit, um als nicht-religionsgebundene Persönlichkeit auf die Vertreter der einzelnen Religionsgemeinschaften zuzugehen und für die Idee eines institutionalisierten Dialogs zwischen den Religionen in Dietzenbach zu werben. Horst Schäfer sprach Pfarrer der evangelischen und katholischen Kirchen an, nutzte seine Kontakte zu den muslimischen Gemeinden, schrieb Gemeinde- und Moscheevorstände an, führte Gespräche mit den Vorständen aller 3 Moscheen und der Zeugen Jehovas, besuchte Gottesdienste etc. Die Zeugen Jehovas bekundeten, daß sie weltweit grundsätzlich nicht an interreligiösen Dialogen teilnehmen würden. Das Alevitische Kulturzentrum reagierte überhaupt nicht. Alle anderen angesprochenen Gemeinden reagierten sehr positiv auf diese Initiative.

    So fand am 1.Juni 2010 in der marokkanischen Tawhid-Moschee das erste Treffen der Religionsvertreter Dietzenbachs statt. Sie sicherten sich auf dieser ersten Sitzung verlässliches Teilnehmen an diesen Treffen zu und vereinbarten, für alle Teilnehmer verbindliche Grundsätze, Regeln, Ziele und Aufgaben aufzustellen. Vorbild war der im April 2009 gegründete Rat der Religionen in Frankfurt a.M. e.V., der sich dort zu einer Institution des Vertrauens unter den Menschen verschiedener Religionen entwickelt hat, der in der kurzen Zeit seines Bestehens schon mehrere wichtige konfliktlösende, friedensstiftende öffentliche Beiträge zu religionshaltigen Themen geleistet hat und der hessenweit großes Ansehen erworben hat. Die Dietzenbacher Religionsvertreter einigten sich schnell darauf, eine solche Arbeitsgemeinschaft nicht als eingetragenen Verein zu gründen. Sie wollten sich aber institutionalisieren. Eine kleine Arbeitsgruppe erarbeitete innerhalb von 2 Monaten ein Grundsätze-Papier, das im September/Oktober 2010 von den Pfarrgemeinderäten, Kirchen- und Moscheevorständen beraten wurde und von allen Gremien große, teils aufmunternde Zustimmung erhielt. Das Grundsätze-Papier wurde im November 2010 von Vertretern

    der römisch-katholischen Pfarrgeneinde St.Martin,

    der evangelischen Christuskirchengemeinde,

    der evangelischen Martin-Luther-Gemeinde,

    der evangelischen Rut-Gemeinde,

    der Freien evangelischen Jesus-Gemeinde,

    der türkischen DITIB Fatih-Moschee,

    der marokkanischen Tawhid-Moschee und

    der Ahmadiyya-Muslim-Jamaat

    einstimmig beschlossen. Sie gaben sich den Namen „Arbeitsgemeinschaft der Religionen in Dietzenbach“.

    Im November 2010 war auch die Neuapostolische Gemeinde zur Arbeitsgemeinschaft der Religionen hinzugestoßen. Bei ihr ist das Grundsätze-Papier sehr positiv angekommen. Sie will in Kürze auch formell der Arbeitsgemeinschaft der Religionen in Dietzenbach beitreten.

    Inzwischen hat die Arbeitsgemeinschaft der Religionen in Dietzenbach auch bereits erste gemeinsame Veranstaltungen entwickelt. So ist für den 10.März 2011 eine Veranstaltung für Eltern, Erzieher und Lehrer unter dem Motto Erziehung zum Frieden und für Sommer 2011 ein Sternmarsch von den einzelnen Kirchen und Moscheen zum Hessentagspark geplant, wo gemeinsam für den Frieden gebetet werden soll.

    Horst Schäfer / Uwe Handschuch