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Die türkische Fatih-Moschee-Gemeinde wurde 1978 gegründet, die marokkanische Tawhid-Moschee-Gemeinde gibt es seit der 1980er Jahren und die pakistanische Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde gibt es gar seit den 1960er Jahren in Dietzenbach. Der Anteil der Mitbürger muslimischen Glaubens ist inzwischen auf 20-25 % gestiegen. In diesen 3-4 Jahrzehnten hatten sich trotz alljährlicher Interkultureller Wochen, trotz einiger Initiativen des Ausländerbeirates, trotz des Hessentages 2001 und trotz der vorbildlichen integrativen Arbeit der Rut-Gemeinde unter der Leitung von Pfarrerin Susanne Lenz in Dietzenbach keine dauerhaften Kontakte zwischen den Christen und den Muslimen der Stadt gebildet.

Erst in den Jahren 2007-2009 gab es aus allen christlichen Gemeinden heraus Bestrebungen, mit den muslimischen Gemeinden in der Stadt Kontakte aufzunehmen mit dem Ziel der Herstellung dauerhafter Beziehungen. Man war der Meinung, die Christen und die Muslime in der Stadt wüssten zu wenig voneinander. Das lediglich durch Medien, Kommunalpolitiker und Lokalpresse geprägte Wissen über die Moscheen und die muslimische Bevölkerung wurde als unzureichend erachtet. Es entstand der Wunsch, im kontinuierlichen persönlichen Umgang eigene Erfahrungen zwischen Christen und Muslimen entstehen zu lassen. So fanden zwischen Kirchen- und Moscheenrepräsentanten mehrere Treffen statt. Verlässliche Verabredungen konnten jedoch nicht getroffen werden, gemeinsame Veranstaltungen nicht geplant werden, weil an den Treffen häufig wechselnde Personen teilnahmen. So verliefen diese Treffen im Jahre 2009 im Sande.

Im Laufe des Jahres 2009 verständigten sich die evangelische Christuskirchengemeinde, die evangelische Martin-Luther-Gemeinde, die evangelische Rut-Gemeinde und die römisch-katholische Pfarrgemeinde St.Martin über die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Dietzenbach. Sie wurde im Mai 2010 gegründet.

Auch vor dem Hintergrund der heftigen kommunalpolitischen Auseinandersetzungen um die Einrichtung einer Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde im Theodor-Heuss-Ring wurde der ACK bewußt, daß die freie Religionsausübung alle Religionsgemeinden betrifft, und daß auch sie sich für die Religionsfreiheit einsetzen müssen. Es lag nahe, einen Dialog der Dietzenbacher Religionsgemeinden erneut anzustoßen. In dieser Zeit kam es zu einem intensiven Kontakt der Pfarrer der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden mit dem ehemaligen Verwaltungsrichter Horst Schäfer. Dieser brachte aufgrund seiner Berufstätigkeit und seines breiten interkulturellen und interreligiösen Engagements die besten Voraussetzungen mit, um als nicht-religionsgebundene Persönlichkeit auf die Vertreter der einzelnen Religionsgemeinschaften zuzugehen und für die Idee eines institutionalisierten Dialogs zwischen den Religionen in Dietzenbach zu werben. Horst Schäfer sprach Pfarrer der evangelischen und katholischen Kirchen an, nutzte seine Kontakte zu den muslimischen Gemeinden, schrieb Gemeinde- und Moscheevorstände an, führte Gespräche mit den Vorständen aller 3 Moscheen und der Zeugen Jehovas, besuchte Gottesdienste etc. Die Zeugen Jehovas bekundeten, daß sie weltweit grundsätzlich nicht an interreligiösen Dialogen teilnehmen würden. Das Alevitische Kulturzentrum reagierte überhaupt nicht. Alle anderen angesprochenen Gemeinden reagierten sehr positiv auf diese Initiative.

So fand am 1.Juni 2010 in der marokkanischen Tawhid-Moschee das erste Treffen der Religionsvertreter Dietzenbachs statt. Sie sicherten sich auf dieser ersten Sitzung verlässliches Teilnehmen an diesen Treffen zu und vereinbarten, für alle Teilnehmer verbindliche Grundsätze, Regeln, Ziele und Aufgaben aufzustellen. Vorbild war der im April 2009 gegründete Rat der Religionen in Frankfurt a.M. e.V., der sich dort zu einer Institution des Vertrauens unter den Menschen verschiedener Religionen entwickelt hat, der in der kurzen Zeit seines Bestehens schon mehrere wichtige konfliktlösende, friedensstiftende öffentliche Beiträge zu religionshaltigen Themen geleistet hat und der hessenweit großes Ansehen erworben hat. Die Dietzenbacher Religionsvertreter einigten sich schnell darauf, eine solche Arbeitsgemeinschaft nicht als eingetragenen Verein zu gründen. Sie wollten sich aber institutionalisieren. Eine kleine Arbeitsgruppe erarbeitete innerhalb von 2 Monaten ein Grundsätze-Papier, das im September/Oktober 2010 von den Pfarrgemeinderäten, Kirchen- und Moscheevorständen beraten wurde und von allen Gremien große, teils aufmunternde Zustimmung erhielt. Das Grundsätze-Papier wurde im November 2010 von Vertretern

der römisch-katholischen Pfarrgeneinde St.Martin,

der evangelischen Christuskirchengemeinde,

der evangelischen Martin-Luther-Gemeinde,

der evangelischen Rut-Gemeinde,

der Freien evangelischen Jesus-Gemeinde,

der türkischen DITIB Fatih-Moschee,

der marokkanischen Tawhid-Moschee und

der Ahmadiyya-Muslim-Jamaat

einstimmig beschlossen. Sie gaben sich den Namen „Arbeitsgemeinschaft der Religionen in Dietzenbach“.

Im November 2010 war auch die Neuapostolische Gemeinde zur Arbeitsgemeinschaft der Religionen hinzugestoßen. Bei ihr ist das Grundsätze-Papier sehr positiv angekommen. Sie will in Kürze auch formell der Arbeitsgemeinschaft der Religionen in Dietzenbach beitreten.

Inzwischen hat die Arbeitsgemeinschaft der Religionen in Dietzenbach auch bereits erste gemeinsame Veranstaltungen entwickelt. So ist für den 10.März 2011 eine Veranstaltung für Eltern, Erzieher und Lehrer unter dem Motto Erziehung zum Frieden und für Sommer 2011 ein Sternmarsch von den einzelnen Kirchen und Moscheen zum Hessentagspark geplant, wo gemeinsam für den Frieden gebetet werden soll.

Horst Schäfer / Uwe Handschuch