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Pressebericht der Arbeitsgemeinschaft der Religionen (ARD) zum Informations- und Gesprächsabend für Eltern, Erziehende und Lehrende am 25.September 2018 im Haus des Lebens (HDL) zum Thema „Erziehen zum Frieden“

Die Arbeitsgemeinschaft der Religionen in Dietzenbach hatte zu einem Informations- und Gesprächsabend eingeladen. Etwa 30 Zuhörer/-innen - vorwiegend Lehrkräfte – waren am Abend des 25.September ins HDL gekommen. Der Pfarrer und Lehrende Uwe Handschuch hatte Fragen vorbereitet wie, ob Erzieher-Haltungen noch zeitgemäß und friedensförderlich sind wie etwa „Ein kleiner Klaps hat noch keinem Kind geschadet“. oder „Die Lehrer müssen wie früher mal wieder so richtig durchgreifen“, oder „Mein Kind soll richtig streiten lernen!“, oder „Ich bete zu Gott, dass meine Tochter mal keinen Christen heiratet“.

Drei geladene Erzieher legten in Impulsreferaten ihre pädagogischen Konzepte für das Erziehen zum Frieden dar: Die Diplom-Theologin Gonca Aydin ist Landesbedienstete. Sie war Mitglied der Kommission, die in Hessen im Auftrag des Kultusministeriums das Kerncurriculum DITIB Hessen (sunnitisch) für die Primarstufe erarbeitete. Sie unterrichtet an der Aue-Grundschule bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht. Die Diplom-Sozialarbeiterin Peggy Mazloum, die ehemals in Offenbach a.M. den Verein People’s Theater pädagogisch leitete und derzeit im Freiwilligendienst des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Hessen tätig ist. Und Rektor Jochen Schepp von der Sterntaler-Grundschule in Dietzenbach, an der mehr als 90 Prozent der Schüler/-innen ausländische Wurzeln haben.

Frau Gonca Aydin erklärte zunächst, dass der bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht an öffentlichen Schulen seinem Wesen nach eine staatliche Veranstaltung ist wie jedes andere Unterrichtsfach auch. Dies gilt unabhängig davon, für welche Konfession der Religionsunterricht eingerichtet ist. Er wird als ordentliches Lehrfach in staatlicher Verantwortung, d.h. nach staatlichen Curricula (Lehrplänen und Lehrzielen), in deutscher Sprache und grundsätzlich durch staatliche Lehrkräfte erteilt. Frau Aydin legte mittels eines Hadith, eines überlieferten Ausspruchs des Propheten Mohammad,  die Grundlage auch der Erziehung von Kindern dar. Mohammed legte einmal seinen Anhängern nahe, bei weltlichen und religiösen Festen Freunde und Nachbarn ungeachtet deren kultureller oder religiöser Herkunft miteinzuladen. Auf diese Weise könnten sie die anderen an den positiven Gedanken des Festes und ihrer Religion teilhaben lassen und so auch einfach interreligiösen und interkulturellen mitmenschlichen Kontakt pflegen. So könne man „Fremde“ kennen und verstehen lernen. Dieser Gedanke lasse sich auch auf  Kindererziehung übertragen. Denn damit werde die Akzeptanz und Toleranz in der Begegnung mit Menschen anderer Religionen, Kulturen, Auffassungen und Lebensweisen gefördert. Auf diese Weise werde den Schüler/-innen geholfen, sich zu öffnen, sich in einer pluralen Vielfalt möglicher Lebensentwürfe zurechtzufinden und eine eigene Identität zu entwickeln, die religiöse Orientierung und ethische Urteilsfähigkeit einschließt. Letztlich werden so an Hand des Korans und der Überlieferungen des Propheten Mohammed ethische Handlungsmaßstäbe vermittelt, wie Bewahrung der Schöpfung, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit sowie Achtung und Toleranz.

Frau Peggy Mazloum berichtete aus Bahá’í-Perspektive über den Einfluss eines positivem Menschenbildes auf die Art und Weise, wie man mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und auch miteinander umgehen solle. Hierzu bezog sie sich auf ein Zitat des Stifters der Bahá’í-Religion, Bahá’u’lláh: „Betrachte den Menschen als ein Bergwerk, reich an Edelsteinen von unschätzbarem Wert. Nur die Erziehung kann bewirken, dass es seine Schätze enthüllt und die Menschheit daraus Nutzen zu ziehen vermag.“

Daher stelle sich die Frage, welche Art der Erziehung es sei, die diese „Edelsteine“ hervorbringen könne? Und wie und wo setze man den Maßstab? Wie könne man sicherstellen, dass die Art der Erziehung auch tatsächlich zu einem Frieden führt, der bei mir beginnt, über meine Familie, meine Nachbarschaft, meine Stadt, mein Land letztlich zu einem weltumspannenden Unterfangen wird?

Frau Mazloum berichtete von Kinderklassen und Jugendgruppen, die weltweit in jedem Land der Erde durchgeführt werden, auch im Offenbacher Mathildenviertel. Dort sind derzeit 40 Kinder aus den verschiedensten religiösen und kulturellen Hintergründen in fünf verschiedenen Gruppen involviert, die gemeinsam mit deren Eltern daran arbeiteten, ein förderliches und ermutigendes Umfeld aufzubauen, in dem die Kinder lernen können zu denken, zu reflektieren und geistige Prinzipen auf ihr Leben und das der Gesellschaft anzuwenden. Dies wird ganz kreativ und praktisch mit den Kleineren erarbeitet, wie u.a. das Üben von Freundlichkeit wie Bitte und Danke sagen, die Tür aufzuhalten bis hin zu den älteren Kindern, die komplexere Projekte durchführen wie Müll aufräumen, Blumenpflanzprojekte erarbeiten und umsetzen,  oder Kuchen und belegte Brote an Bedürftige verteilen. So merken Kinder, Jugendliche und ihre Eltern, dass sie positive Eigenschaften entwickeln und Einfluss auf ihre unmittelbare Umgebung haben.

Rektor Jochen Schepp legte das Leitmotiv seiner Schule dar, Es ist ein Fair-Play-Konzept, in dessen Mittelpunkt der einzelne Mensch steht. Das betrifft Schüler, schließt aber auch Eltern und Lehrer mit ein. An seiner Schule verpflichten sich alle zu einem fairen Umgang miteinander und zu einer wertschätzenden Haltung, die den anderen unterstützt und stärkt, damit das, was sie an Inhalten vermitteln wollen, auf fruchtbaren Boden fällt.

Christliche Werte spielen an der Sterntaler-Schule keine explizite Rolle, da sie als Schule weltanschaulich neutral sind. Natürlich wurzeln viele Werte, die sich im hiesigen demokratischen System entwickelt haben, in christlichen Traditionen. Toleranz zum Beispiel oder Respekt, Achtsamkeit, Wertschätzung, da könne man natürlich Bezüge nicht nur zum Christentum finden, sondern – und das sei ihnen ganz wichtig – auch zum Islam. Sie seien stets bemüht, die Gemeinsamkeiten zu finden und nicht die trennenden Dinge.

Sie interessierten die Werte, die sie gemeinsam haben, und da fänden sie eine ganze Menge, die den Kindern gut tun. Wenn man von Fairness im Umgang spreche: Kein Mensch möchte geschlagen werden, kein Kind möchte beleidigt, keiner herablassend behandelt werden. Sie  finden, dass sich die Kinder mit diesen gelebten Werten in der Schule wohl fühlen und dann auch bereit sind, sich auf die Erziehungs- und Bildungsprozesse einzulassen. Es sei aber auch wichtig, dass diese Werte im Alltag gelebt und auch vom Lehrer verkörpert werden. So haben sie etwa in jeder Klasse eine Stunde soziales Lernen als Unterrichtsfach eingeführt.

Es sei aber ebenfalls wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen und die Kinder zu fragen: Was ist euch wichtig? Welche Regeln sollen in eurer Klasse gelten? So haben sie die Möglichkeit, teilzunehmen und ihren Lebensraum Schule mitzugestalten.

Kinder sagen, dass es ganz wichtig ist, freundlich zueinander zu sein, dass man Fehler machen darf und dafür nicht bestraft werden soll. Außerdem wünschen sie sich Hilfe, dass ihnen etwas erklärt wird, wenn sie etwas nicht verstehen. Natürlich komme es auch an seiner Schule in der Pause mal vor, dass jemand mit ihnen so umgeht, wie sie es nicht wollen. Dann wünschen sie sich, dass jemand da ist, an den sie sich wenden können und der sich für sie einsetzt. Für solche Fälle z.B. seien unter den Kindern Streitschlichter ausgebildet und eingesetzt worden. Mit diesem Konzept hätten sie gute Erfahrungen gemacht.

Nach den Referaten tauschten die Zhörer/-innen ihre Erfahrungen mit Konzepten für das Erziehen zum Frieden aus. Sie waren sich einig, dass selbst der kleine Klapps jedem Kind schadet, in Erinnerung bleiben und als - Gewalt anwendende - Durchsetzungsmethode nachgeahmt werden wird.

Dietzenbach, den 5.Oktober 2018 - Horst Schäfer (Pressesprecher)

PRESSEBERICHT DER ARD ÜBER DAS 4. DIETZENBACHER FRIEDENSGEBET AM 21.SEPTEMBER 2014 IM EVANGELISCHEN GEMEINDEHAUS "HAUS DES LEBENS": SEHNSUCHT NACH FRIEDEN VEREINT ALLE: Religionsgemeinschaften trafen sich zum vierten Dietzenbacher Friedensgebet

Wie groß die Sehnsucht der Dietzenbacher Bürger nach Frieden ist, zeigte sich ganz deutlich in der großen Anzahl Menschen, die sich zum 4. Friedensgebet der Mitgliedsgemeinden der Arbeitsgemeinschaft der Religionen in Dietzenbach im „Haus des Lebens“ eingefunden hatten, das bis zum letzten Platz bes

Das Ensemble Saitensprung eröffnete die Veranstaltung mit dem Lied „Lasst uns eine Welt erträumen“. Darin kommt die Sehnsucht nach einer Welt zum Ausdruck, die den Krieg nicht kennt, in der Menschen unterschiedlicher Herkunft Freunde werden, einen die Traurigkeit und das Leid anderer Menschen selbst traurig stimmt und in der man sich trotz der fremden Sprache gut versteht. Zum Schluss fordert es einen auf, damit zu beginnen, den ersten Schritt zu wagen, damit all das eben kein Traum bleibt.

Pfarrer Uwe Handschuch, Gastgeber des diesjährigen Friedensgebets, begrüßte die Anwesenden aus den unterschiedlichen Religionsgemeinschaften sowie die Vertreter der Stadt, darunter den Ersten Stadtrat, Dietmar Kolmer, die Vorsitzende des Ausländerbeirats, Helga Giardino und den Vorsitzenden des Seniorenbeirats, Herrn Dr. Wolfgang Altenburg sowie die Landtagsabgeordnete Ulrike Alex. Sie alle hatten sich in dem Wunsch versammelt, ein Zeichen für den Frieden zu setzen, sich gegenseitig dabei zuzuhören und zu unterstützen. Als äußeres Zeichen dieser gemeinsamen Bemühungen wurde eine Friedenskerze entzündet. Jede Religionsgemeinschaft der ARD trug nun ein Gebet zu einem thematischen Schwerpunkt vor, der ihr besonders am Herzen liegt.

Als erstes betete Imam Jeryullah Khan von der Ahmadiyya-Muslim-Jamaat für Gerechtigkeit und begrüßte die Anwesenden mit den Worten „Der Friede und der Segen Allahs sei mit Ihnen.“ Die Religion sei in die Welt gekommen, um das Herz der Menschen zu gewinnen ohne jeglichen Zwang aufzuerlegen. Leider seien jedoch einige Gruppierungen von dieser Lehre abgekommen und verfolgten eigene Interessen, töteten Menschen und rissen Familien auseinander. In seinen Ausführungen betonte er die Bedeutung der Gerechtigkeit für den Frieden, jedoch sei sie nur der 1. Schritt dazu. Der 2. Schritt sei es, uneigennützig und ohne Gegenleistung zu erwarten, seinen Mitmenschen Gutes zu tun und der 3. Schritt, mit seinen Mitmenschen umzugehen wie mit der eigenen Familie. So wie eine Mutter ihre Kinder liebt, sollen sich alle Menschen untereinander lieben.

Als zweites beteten Gemeindereferent Matthias Hassemer und Wolfgang Doetsch von der römisch-katholischen Pfarrgemeinde St.Martin für die Bewahrung der Schöpfung. Der Heilige Franz von Assisi, so berichteten sie, lebte nach dem Vorbild Jesu im Einklang mit der Natur. In Anlehnung an dessen „Sonnengesang“ dankten sie für die Schöpfung, die Gott allein gehört mit allen Geschöpfen darin, und deren Schönheit, die sich in Schwester Sonne, Bruder Mond und den Sternen, Bruder Wind, Schwester Wasser und Mutter Erde, die uns ernährt und trägt, offenbart. Sie sagten Gott Dank und beteten dafür, dass er den Menschen Freude an der Natur schenke, die Wege zum Naturschutz stärke und dass durch Forschung Erkenntnisse zum Nutzen der Menschen und Tiere auf der Welt gewonnen werden könnten.

Als Vertreter der evangelischen Martin Luther-Gemeinde beteten Pfarrer Uwe Handschuch und Agnes von Knorre für die Pflege der Gemeinschaft. Handschuch verwies auf Martin Luther, der seiner Zeit mit der Reichsacht belegt, also weltlich wie religiös geächtet war. Dies bedeutete, dass er ohne Schutz durch irgendwelche Rechte leben musste und offiziell „von Gott und der Welt verlassen“ war, so wie viele Flüchtlinge heute. In dieser schweren Zeit schrieb er ein Gebetbüchlein, und darin kam die Gewissheit zum Ausdruck, dass keiner alleine betet, sondern die ganze Christenheit mit ihm. Nur mit anderen sind wir das, was wir sind. Auch wenn das Miteinander Probleme mit dem Anderssein anderer Menschen mit sich bringen kann. Die Kräfte mögen gelenkt werden, dass Menschen die Gemeinschaft suchen und erleben, wie gut sie tut und die Angst, zu kurz zu kommen, überwinden. In der Gemeinschaft mit Gott und anderen Menschen entsteht Frieden.

Mehmet Sertdere vom Vorstand der türkischen DITIB Fatih-Moschee betete für Toleranz und begann mit dem Gruß: „Friede sei mit Ihnen!“ Gläubige sollen tolerant und barmherzig miteinander sein, einander vergeben, wenn eine Ungerechtigkeit geschieht und nicht gleiches mit gleichem vergelten. Gottes Herz sei mit Liebe zum Menschen erfüllt, und er habe die unterschiedlichen Kulturen und Hautfarben erfunden als Bereicherung. Die Menschen müssten Wege finden, um in Brüderlichkeit zu leben. „Lasst uns Gutes tun ohne etwas dafür zu erwarten und auf schlechte Taten mit guten Antworten reagieren und einander vergeben.“

Margarete Kunde vom Vorstand der evangelischen Christuskirchengemeinde betete für die Verantwortlichen in der Stadt Dietzenbach, in unserem Land und der Welt und brachte ihre Dankbarkeit zum Ausdruck, dass sich Menschen zusammengefunden haben, um in all ihrer Vielfalt um Frieden zu beten. „Lasst uns in dieser friedlosen Zeit um Frieden bitten und als Vertreter unserer Religionen zu Zeugen von Frieden werden, trotz der Vielzahl derer, die die Friedensbemühungen stören und Hass säen.“ Sie betete für die Vertreter unserer Stadt, dass sie zu einer Stimme des Friedens werden und sich für ein friedvolles Miteinander stark machen.

Gemeindevorsteher Siegfried Martin von der Neuapostolischen Kirche betete um Versöhnung. Alle Menschen, die im Streit leben oder zwischen denen Missverständnisse stehen, seien zur Versöhnung aufgerufen und dafür, Opfer für den Frieden zu bringen. Die Liebe Gottes, der seinen Sohn als Zeichen der Versöhnung auf die Welt geschickt hat, habe den Weg dazu geebnet, und die Bereitschaft zur Versöhnung solle gleichzeitig Ansporn und Verpflichtung sein.

Soheila Memar von der freien evangelischen Jesus-Gemeinde betete für die Stärkung des Glaubens und begann mit dem Ausruf „Shalom! Gottes Gnade sei mit Euch!“ Mit unserem Glauben, der nicht größer ist als ein Senfkorn, könnten wir die Welt nicht verändern, wohl aber die Herzen unserer Mitmenschen in der Familie, der Stadt und der ganzen Welt. Wir Menschen sollen zu verlängerten Armen Jesu werden, um in unserem Umfeld etwas zu verändern.

Der Marokkanisch-Islamische Freundschaftskreis Tawhid-Moschee hatte diesmal leider keinen Vertreter entsenden können.

Helga Giardino, Vorsitzende des Ausländerbeirats, sprach vom „Durst nach gerechtem Frieden“ und betete dafür, dass der „Geist der Gerechtigkeit“ durch die Herzen der Menschen wehen möge. Viel Leid sei nicht auf Naturkatastrophen zurückzuführen, sondern auf menschliches Fehlverhalten. „Stärke jene, die in deinem Namen gegen Ungerechtigkeit angehen, schenke Tapferkeit und Ausdauer, und stehe jenen bei, für die es keinen Trost gibt.“

Das Ensemble Saitenspring umrahmte die Gebete mit Musikbeiträgen wie dem hebräischen Friedensgruß „Shalom aleichem“, dem Lied „Seni Ben Severim“ des türkischen Mystikers Yunus Emre, dem modernen Lied „Lasst uns eine Welt erträumen“ und beschlossen den Gebetsreigen mit dem Lied „Reicht Euch die Hand“, was die Anwesenden auch gleich in die Tat umsetzten und einander bei den Händen nahmen.

Zum Ausklang des Abends gab es noch eine kleine kulinarische Stärkung und die Möglichkeit, sich beim Gespräch näher kennenzulernen.

Charlotte Rothman / Dietzenbach

 

Pressebericht der Arbeitsgemeinschaft der Religionen (ARD) zur Informationsveranstaltung über die Familien- und Erbrechte christlicher und muslimischer Frauen am 18.11.2013 im Gemeindesaal der katholischen Gemeinde St.Martin

Die Arbeitsgemeinschaft der Religionen in Dietzenbach (abgekürzt: ARD) hatte zu einem Informations- und Gesprächsabend eingeladen, und fast 50 Menschen waren am Abend des 18. November in den Gemeindesaal der katholischen Kirche St.Martin gekommen. Die ARD ging der weit verbreiteten Meinung nach, dass eine muslimische Frau nur „die Hälfte des Mannes erbt“, sprachlich korrekt ausgedrückt: Die Hälfte dessen erbt, was sie erben würde, wenn sie ein Mann wäre. Meist wird dabei nahegelegt, dass die Frau dementsprechend im Islam auch nur „halb so viel wert“ sei.

Der ARD-Sprecher Horst Schäfer eröffnete die Veranstaltung mit einem historischen Abriß der wechselhaften familien- und erbrechtlichen Stellung der Frau im Judentum, Christentum und Islam von der Antike bis in die Neuzeit. Familien- und Erbrecht sei Teil der Kulturgeschichte aller Völker und Religionen. Töchter waren nach den Regeln des Alten Testaments nur erbberechtigt, wenn ein Sohn fehlte. Und sie konnten ihr Erbe auch nur unter der Auflage erhalten, keinen Mann aus einem anderen Stamm zu heiraten, damit das Vermögen der Familie nicht in die Hände einer anderen Sippe gelangte.

Das vom römischen Recht maßgeblich bestimmte deutsche Recht ordnete dem Mann als Familienoberhaupt eine starke Stellung zu. Das wirkte in der BRD noch bis ins 20.Jahrhundert nach. Bis 1957 konnte ein Ehemann den Arbeitsvertrag seiner Ehefrau fristlos kündigen und noch bis 1976 gab es väterliche Vorrechte bei der Kindererziehung.

In vorislamischer Zeit waren Frauen in der arabischen Welt erheblich benachteiligt. Sie konnten selbst als Objekt beim Glücksspiel eingesetzt werden. Mit dem Auftreten des Propheten Mohammed und dem Erscheinen des Korans wurde Frauenrechte in der arabischen Welt erheblich verbessert. So wurde die Brautgabe, die bis dahin an den Schwiegervater zu zahlen war, in eine Gabe umgewandelt, die die Frau als Teil ihres persönlichen Eigentums behalten durfte. Das ist bis heute so.

Der Dietzenbacher Rechtsanwalt Reiner Frank erläuterte dann die Grundzüge des deutschen Familien- und Erbrechtes. Er stellte heraus, dass im deutschen Recht die Eheleute untereinander die ehelichen Aufgaben und auch die Verwaltung des Vermögens vertraglich regeln. Der gesetzliche Regelfall ist dabei die sog. Zugewinngemeinschaft. Das bedeutet, dass das während der Ehezeit hinzugewonnene Vermögen, der sog. Zugewinn, im Scheidungsfalle zu gleichen Teilen auf beide Partner aufgeteilt wird. Hingegen behält jeder Ehepartner diejenigen Vermögenswerte, die er in die Ehe miteingebracht hat. Auch die miteingebrachte Mitgift der Frau bleibt in ihrem Eigentum. Desweiteren verbleiben auch alle Vermögenswerte, die durch Erbschaft oder Schenkung erworben werden, im Eigentum des einzelnen Ehepartners; diese gehen auch nicht in die gemeinsame Erbmasse ein.

Der Frankfurter Experte für islamisches Recht Ansar Bilal Anwar stellte an Hand zahlreicher Beispiele die Vielgestaltigkeit des islamischen Familien- und Erbrechts dar. Er legte Wert auf die Feststellung, dass islamisches Recht von den islamisch geprägten Staaten völlig unterschiedlich geregelt werde, mal werde es uneingeschränkt nach dem Koran und der Sunna übernommen, mal nur im Zivilrecht, mal nur in einzelnen Landesteilen, in Tunesien und der Türkei ist es ganz abgeschafft worden.

Im islamischen Recht spiele die Morgengabe der Braut ein viel größere Rolle als im europäischen Recht. Deren Höhe richte sich grundsätzlich nach den Vermögens- und Einkommensverhältnissen der Familien. In der Ahmadiyya-Gemeinde z.B. werde als Richtlinie der 6-fache Monatsgehalt des künftigen Ehemannes empfohlen, in anderen islamischen Religionsgemeinschaften gebe es andere Regeln. Die Brautgabe aber sei zeitlebens der Verfügungsgewalt des Ehemannes entzogen. Er trage auch alleine die finanzielle Unterhaltslast für die Familie, auch für seine Ehefrau. Folglich werde er nicht umhin können, sein Erbe teilweise auch mit seiner Ehefrau zu teilen. Diese Unterhaltslastenverteilung bringe es auch mit sich, dass der Ehemann sein Einkommen für die ganze Familie einsetzen müsse, die Ehefrau hingegen ihren evtl. Arbeitsverdienst komplett für sich behalten dürfe. Ansar Anwar betonte, dass die Stellung der Frau im islamischen Familien- und Erbrechtssystem schon deshalb anders angelegt sei, weil es im Islam keine Altersheime gebe. Dort würden grundsätzlich Männer und Frauen aller Generationen vom Familienverband unterhalten und versorgt.

Auch im islamischen Erbrecht könne man den Nachlaß per Testament regeln. Der testamentarisch verfügte Nachlaß dürfe aber niemals 1 Drittel des Vermögens überschreiten. Reiner Frank verglich dies -  dem Sinne nach - mit dem gesetzlichen Pflichtteil im BGB.

Reiner Frank stellte auch heraus, dass Muslime in Deutschland rechtlich ebenfalls dem Unterhaltsrecht des BGB unterliegen, nicht hingegen dem deutschen Erbrecht. Und der Pflichtteil nach BGB habe Unterhaltscharakter.

In der Diskussion mit den engagierten Besuchern wurde Kritik an der Höhe der Morgengabe der muslimischen Frau geübt. Die Höhe eines 6-fachen Monatsgehalts des Ehemannes sei heutzutage unzureichend. Nach Ansicht des bekannten Konvertiten Murad Hoffmann sollten etwa auch muslimische Frauen, die ihre Familie ernähren, künftig den gleichen Erbschaftsregeln unterliegen wie Männer.

Rechtsreferendar Aziz Fagrach als Ko-Moderator beschäftigte die Referenten mit der Frage, wer denn heutzutage die sog. Brautgabe aushandele. Anwar erklärte, dass dies letztlich die künftigen Ehepartner aushandeln würden. Anwar fügte aber hinzu, dass nach islamischem Recht traditionell die Väter der künftigen Eheleute hinzugezogen würden. Diese Brautgabe werde in die alleinige Verfügungsgewalt der Ehefrau überführt.

Aziz Fagrach wollte auch wissen, wem die Brautgabe bei Nicht-Vollziehen der Ehe gebührt. Anwar erklärte hierauf, sie müsse nur zur Hälfte zurückgezahlt werden. Frank hingegen erklärte zur eingebrachten Mitgift der deutschen Braut, dass in diesem Falle die Mitgift – wegen Wegfalls der Geschäftsgrundlage – insgesamt wieder an die Frau zurückgeführt werden müsse.

In der teils empathisch geführten Diskussion schälte sich heraus, dass das islamische Recht als Gottesrecht und als solches als Idealfall solcher Regelungen verstanden wird und für islamische Gesellschaftsformen erdacht wurde. Das deutsche Familien- und Erbrecht sei hingegen von demokratischen Institutionen ausgedachtes und interessengerecht abgewogenes weltliches Recht für die deutschen Staatsbürger in einer pluralistischen Gesellschaft. Deshalb könnten die Vor- und Nachteile der beiden Rechtssysteme nicht gegeneinander abgewogen werden. Für wechselseitig abwertende Einschätzungen sei deshalb gar kein Raum.

Reiner Frank veranschaulichte dies sinnfällig anhand von mitgebrachten Äpfeln und Birnen. Diese wurden am Ende der Veranstaltung gemeinsam verspeist. Die Veranstaltungsdauer von ca. 3 Stunden zeigte das anhaltende Interesse der Besucher.

Horst Schäfer / Dietzenbach, den 20.11.2013

PRESSEBERICHT DER ARD ÜBER DAS 3. DIETZENBACHER FRIEDENSGEBET AM 22.SEPTEMBER 2013 IN DER TÜRKISCHEN FATIH-MOSCHEE: GEMEINSAME FÜRBITTEN FÜR DEN FRIEDEN: Religionsgemeinschaften trafen sich zum dritten Dietzenbacher Friedensgebet

Frieden schaffen und Gewalt zwischen Völkern und Einzelpersonen verhindern ist zentrale Aufgabe aller Religionen. Das stellte Mehmet Sertdere, der Erste Sekretär der Fatih-Moschee-Gemeinde beim dritten Dietzenbacher Friedensgebet in seiner Begrüßung fest. Die Freundschaften zwischen den Dietzenbacher Religionsgemeinschaften würden fester, verständnisvoller und zahlreicher.

Die Arbeitsgemeinschaft der Religionen in Dietzenbach (ARD) hatte alle Bürgerinnen und Bürger der Kreisstadt in die türkische Moschee an der Justus-von-Liebig-Straße eingeladen, um generations-, kultur- und religionsübergreifend gemeinsam um Frieden zu beten. Weit über 100 Menschen folgten dem Aufruf. Die am gleichen Tag stattfindenden Bundestags- und Landtagswahlen boten eine gute Gelegenheit, Fürbitten für die auch künftig politisch Verantwortlichen im Staat und in der Stadt Dietzenbach vorzutragen, die gegenwärtig große Verantwortung für das Gemeinwohl zu tragen haben. Der große Versammlungssaal war voll besetzt und bot doch jedem Besucher einen Platz.

Pfarrer Stefan Barton von der katholischen Gemeinde St.Martin zündete die von ihm verwahrte  Friedenskerze der ARD an. Ihr Licht steht symbolisch für die Sehnsucht aller Menschen, durch Erhellen der Herzen und Öffnen der Augen auch über Religionsgrenzen hinweg Waffen zum Schweigen zu bringen. Hilf uns, Herr, immer neu, als Gemeinschaft vor Ort unseren Beitrag für unser Gemeinwesen und für die Gemeinschaft der Religionen zu leisten, betete er. Auch Hasan Tüfek, der neue Imam der türkischen Fatih-Moschee, betete für die Verantwortlichen in der Stadt Dietzenbach, in den Religionen und in den Religionsgemeinden.

Frau Soheila Hashemi-Najad von der Jesus-Gemeinde nahm sich aus leidvoller eigener Erfahrung des Themas der Gerechtigkeit an. Sie dankte Gott für die stabile Demokratie in Deutschland und dafür, in einem Rechtsstaat leben zu dürfen. Für die marokkanische Moschee betete Saber Ben Naticha für Versöhnung unter den Menschen; dafür sei die Barmherzigkeit Gottes im Koran zugesichert.

 

Frau Helga Giardino, die Vorsitzende des Ausländerbeirats, erbat in ihrer Fürbitte die Bereitschaft und Fähigkeit der Mitbürger, die Würde, Andersartigkeit und je eigene Glaubensüberzeugung eines jeden Menschen zu achten. Der Imam der Ahmadiyya-Moschee nahm sich eines Anliegens aller Religionen an, die Bewahrung der Schöpfung. Siegfried Martin, der Vorsteher der Neuapostolischen Kirche, widmete sich der Stärkung des Glaubens an gottgewolltem Frieden.

Pfarrer Uwe Handschuch von der Martin-Luther-Gemeinde erinnerte daran, dass das lateinische Wort tolerantia erstmals von Martin Luther ins verdeutschte Wort Toleranz übertragen wurde. Schon Martin Luther habe etwa auch Menschen geachtet, die nicht an das Evangelium glauben. Pfarrer Handschuch beklagte die kultivierte Unfähigkeit und Ungeduld der Menschen, andere Meinungen oder einen anderen Glauben neben sich zu erdulden. Er formulierte die Fürbitte: Lehre uns, Unterschiede zu achten ohne uns voneinander zu trennen.

Neben dem gemischten Kinderchor der gastgebenden Fatih-Moschee sangen der gemeinsame Chor der Kinder der katholischen Gemeinde St.Martin und der Christus-Gemeinde Friedenslieder. Ihr Lied „Freunde was auch kommen mag, Freunde Tag für Tag“berührte jeden Zuhörer. Der Mädchenchor der Ahmadiyya-Gemeinde intonierte das Lied „Wir wollen stets lieben, zum Hass sind wir nicht da“.

Frau Margarete Kunde vom Vorstand der Christus-Gemeinde betete für das fürsorgliche Miteinander der Generationen. Dies wurde in der Veranstaltung auch umgesetzt. Die Dietzenbacher Chorleiterin Barbara Wendtland stimmte am Ende mit dem Kinderchor der Martin-Luther-Gemeinde und der gesamten Versammlung im dreistimmigen Kanon „Dona nobis pacem“, Gib uns Frieden, an.

Mit kleinen Speisen und Getränken aus unterschiedlichen Ländern schlossen die angeregten Gespräche der Teilnehmer über Religionen und Generationen hinweg.

Pressebericht der Arbeitsgemeinschaft der Religionen (ARD) über den Gesprächsabend zum Thema EHRFURCHT VOR DEM ALTER - Älter werden und Altsein in den Religionen und Kulturen am 17.11.2011 in der Fatih-Moschee in Dietzenbach

Zum zweiten Mal in diesem Jahr hatte die Arbeitsgemeinschaft der Religionen in Dietzenbach zu einem Gesprächsabend eingeladen und fast fünfzig Menschen waren am Abend des 17. November in die türkische Fatih-Moschee gekommen, um gemeinsam über das zu sprechen, was sich in unserer Gesellschaft zu einem immer größeren Problem auswächst: das Alter. Die Menschen werden ja nicht nur immer älter, sondern auch die Bereitschaft und die Möglichkeiten der Jüngeren, sich um die Älteren zu kümmern, gehen zurück. Hand in Hand damit scheint auch die Ehrfurcht vor alten Menschen abzunehmen.

"Ehrfurcht vor dem Alter" war deshalb auch der Gesprächsabend überschrieben, in dem das Älterwerden und Altsein in den Kulturen und Religionen näher beleuchtet werden sollte. Dazu hatte die ARD zwei Referenten gewinnen können, die sich mit dem Thema aus christlicher und muslimischer Sicht auseinandersetzten: Uwe Handschuch, Pfarrer der Martin-Luther-Gemeinde in Dietzenbach-Steinberg und Patientenfürsprecher der Alzheimer Tagespflege im DRK-Seniorenzentrum, und Dr. Hüseyin Kurt, der in Frankfurt das Viktor-Gollancz-Haus mit einer Wohngruppe für alte Menschen muslimischen Glaubens betreut. Schnell wurde deutlich: Die beiden Religionen unterscheiden sich kaum in ihrem Blick auf das Alter. Sowohl Christentum als auch Islam gebieten ihren Gläubigen einen respekt– und ehrfurchtsvollen Umgang mit den älteren Menschen, und formulieren schon sehr früh eine Art Generationenvertrag: Die Alten sollen die Jungen an ihrer Lebens- und Glaubenserfahrung teilhaben lassen, als „Gegenleistung“ hätten sich die dann um sie zu kümmern, vor allem, wenn sie nicht mehr für sich selbst sorgen könnten. Das alles auch im Hinblick darauf, dass sie damit ein Vorbild bieten können für die nächste Generation, auf deren Hilfe sie dereinst angewiesen sein werden. Nichts anderes meine das Gebot: „Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass es dir wohlgeht und du lange lebst auf Erden!“

Dr. Kurt machte deutlich, dass dies unter den veränderten Bedingungen einer so mobilen und spezialisierten Gesellschaft wie der deutschen nicht so einfach sei wie in einer vom familiären Zusammenleben geprägten agrarischen Gesellschaft. Das erführen im zunehmenden Maße auch die Migranten in unserem Land, die vor fünfzig Jahren - ohne die ältere Generation - hierher nach Deutschland gekommen waren. Hüseyin Kurt: „Wir müssen endlich verstehen lernen, dass unsere religiöse Pflicht, uns um ältere Menschen zu kümmern, auch darin erfüllt werden kann, dass wir bestimmte Aufgaben an Fachleute delegieren. Wenn wir krank sind, gehen wir ja auch zum Arzt.“ Oftmals sei da eine große Hemmschwelle zu überwinden, und die religiösen Vorgaben führten unter den veränderten Rahmenbedingungen zu mancher Tragödie. Informationen wären deshalb immer noch notwendig.

Die Besucher des Abends, zu denen auch einige Mitglieder des Dietzenbacher Seniorenbeirats gehörten, waren sich einig: Über die Möglichkeiten, die es im Bereich der Pflege älterer Menschen in unserem Lande gibt, sollen deshalb gerade Migranten verstärkt informiert werden. Es sei aber auch wichtig, dass nun auch junge Muslime zu AltenpflegerInnen ausgebildet würden.Mehmet Sertdere, der 1.Sekretär der DITIB-Fatih-Moschee und ARD-Aktiver, gab am Ende bekannt, dass seine Moschee Herrn Dr.Hüseyin Kurt eingeladen habe, um mit ihm gemeinsam zu erörtern, wie pflegebedürftigen alten Menschen muslimischen Glaubens in Dietzenbach geholfen werden könne.