Elftes Dietzenbacher Friedensgebet

Samstag, 25. September 2021 – 17 Uhr – “Garten der Religionen” auf dem Friedhof Dietzenbach

Begrüßungsansprache

Für Gerechtigkeit

Für die Bewahrung der Schöpfung

Für die Pflege der Gemeinschaft untereinander

Für Toleranz

Für die Verantwortlichen in Stadt, Kreis und Religionen

Für Versöhnung

Für Glaubensstärkung 

Für Nächstenliebe, Frieden und Pluralismus

Für das Miteinander der Generationen

Für Zusammenhalt und Frieden

Für die Menschen in Afghanistan

Begrüßungsansprache

Horst Schäfer – Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Religionen in Dietzenbach (“ARD”)

Sehr geehrte Besucher des 11. Dietzenbacher Friedensgebets, liebe Sucher nach Frieden in einer unfriedlichen Welt,
… das Friedensgebet findet alljährlich im Rahmen der Interkulturellen Wochen statt. Das Motto der diesjährigen Interkulturellen Woche lautet:  #offengeht.
Das Wort beginnt mit einer Raute. Weil eine Raute als Schriftzeichen aber weder ein Konsonant noch ein Vokal ist, und das IKW-Motto in 1 Wort geschrieben ist, lässt es sich allenfalls rudimentär aussprechen. Es ist also interpretationsbedürftig.
Ich versuche mich einmal daran. Eine Raute als Schriftzeichen ist geometrisch ein Sonderfall des Parallelogramms. Die Besonderheit der Raute besteht darin, daß nicht nur die gegenüberliegenden Seiten, sondern alle Seiten gleich lang sind. Könnte man damit die Raute im IKW-Motto deuten? Etwa als Symbol für die gleichberechtigte Teilhabe jedes Individuums in einem Gemeinwesen?? Das wäre ein guter Gedanke.
Nun ist die IKW-Raute aber an jeder Ecke mit überstehenden Linien ausgestattet. Kann man auch das deuten? Etwa als einen – mit Spitzen wie Stacheldraht bewehrten – geschlossenen Raum, der ein Eindringen von außen erschweren soll?
Bevor ich diesen schwarzen Gedanken weiterspinne, will ich Ihnen aber die Interpretation der IKW-Planungsgruppe darlegen. Sie versteht das Motto als „offen sein im Herzen und im Geist, offen sein für Begegnungen, für neu Dazukommende, für neue Erfahrungen, für neue Perspektiven, für neue Freundinnen und Freunde.“
Friederike Ekol, die Geschäftsführerin des Ökumenischen Vorbereitungsausschusses zur Interkulturellen Woche erklärt:
Das Motto #offengeht ist die Ermutigung, für die Grundwerte unserer Gesellschaft einzutreten. Die Vielfaltsgesellschaft ist eine Erfolgsgeschichte. Deutschland hat sich als Zuwanderungsland positiv verändert und entwickelt. Das, was für uns heute völlig normal und selbstverständlich ist, können wir feiern. Die offene Gesellschaft muss sich aber auch verteidigen gegen die Feinde der liberalen Demokratie. Antisemitismus, Rassismus und jede Form der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit braucht neben starken staatlichen Gegenmaßnahmen und Schutz für die Betroffenen auch eine klare und solidarische Positionierung der Gesellschaft der Vielen.“
Dieses Jahr wird die Genfer Flüchtlingskonvention 70 Jahre alt. Die Vorsitzenden der Kirchen betonen in ihrem “Gemeinsamen Wort”zur Interkulturellen Woche: “Europa wird getragen durch eine breite gesellschaftliche Akzeptanz von Menschenwürde, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit. Die Geltung dieser Norm zeigt sich gerade im Umgang mit Schutzbedürftigen. Es kommt darauf an, die Würde und die Rechte von Geflüchteten an Europas Außengrenzen zu schützen und zu verteidigen.”
Dies steht im krassen Widerspruch nicht nur zu der Situation auf dem Mittelmeer, wo unzählige Menschen die Flucht mit ihrem Leben bezahlen, sondern auch zu Lagern wie beispielweise Moria auf der griechischen Insel Lesbos oder Lipa in Bosnien, Orten, an denen die europäischen Außengrenzen zu Orten der Verzweiflung und der Schutzlosigkeit werden. Aktuell ist auch Afghanistan ein solcher Ort des Verlassen- und Verlorenseins von Europa. Deshalb sollen auch die Schutzbedürftigen in diesem Land in unsere heutigen Fürbitten aufgenommen werden.

Für Gerechtigkeit

Mehmet Sertdere – Jugendleiter der türkischen DiTiB Fatih-Moschee

Allah sagt: „Und sei geduldig; denn wahrlich, Allah lässt den Lohn der Rechtschaffenen nicht verlorengehen.“       (Koran Sure 11 – Hud, Vers 115)
Grund für Ungerechtigkeit ist meist, dass man sich daraus einen egoistischen Vorteil erhofft. Und in diesem ungerechten Moment seinen Schöpfer vergisst. Doch ER ist es, der den Gerechten dieser Welt ein unvergleichbar schönes Leben verspricht. Und den Ungerechten dieses verwehrt. Wer gerecht zu seinem Glauben ist und diesen Glauben an Allah in all seinen Handlungen und Lebensmomenten nicht vergisst, dieser Mensch weiß, dass er Rechenschaft für all seine Taten ablegen wird,  und dieser Mensch weiß auch, dass Unrecht und Unterdrückung große Missetaten sind.
So lasst uns an unseren Glauben festhalten und lasst uns von Unrecht und Unterdrückung fernhalten.
Lassen Sie uns diese Gerechtigkeit verwirklichen, in unserem Arbeitsleben, in unserer Hausgemeinschaft, in unserer Nachbarschaft und allen anderen Teilen unseres Lebens.
Und Lassen sie uns nicht vergessen, dass der erhabene Allah diejenigen liebt, die in allen Themen gerecht sind.
Um Gerechtigkeit gegenüber allen Menschen dieser Erde zu verwirklichen, müssen wir unserem individuellen maßlosen Konsum Einhalt gebieten. Denn unsere Erde ist mit seinen Rohstoffen und Schönheiten nicht unerschöpflich. Jeder Mensch hat ein Recht auf die Schönheiten unserer Erde. So lasst uns auch die Schönheiten unserer Erde gemeinsam bewahren.

Für die Bewahrung der Schöpfung

Pfarrerin Claudia Pisa und Kirchenvorsteherin Ute Zanger – Evangelische Christus-Gemeinde

Gott, du hast Himmel und Erde geschaffen. Menschen, Tiere, Pflanzen. Das Größte und das Kleinste. Berühre unsere Herzen, Gott, dass wir die Größe deiner Schöpfung spüren. Dass wir deine Welt lieben und ihr in Liebe begegnen.
Berühre unsere Herzen, Gott, dass wir aus Dankbarkeit über deine Schöpfung Sinn und Verstand gebrauchen, uns einbringen und uns nicht von der Angst lähmen lassen. Schärfe unsere Sinne, dass wir unsere Augen nicht vor der Ausbeutung und dem Schmerz deiner Welt verschließen.
Berühre unsere Herzen, Gott, dass wir als deine Geschöpfe unsere Mitgeschöpfe bewahren. Was wir haben, Gott, kommt von dir. So vieles ist uns geschenkt.  Berühre unsere Herzen, dass wir nicht vergessen, dass nichts selbstverständlich ist. Dass wir teilen, was wir dank dir haben.
Du, Gott, hast Himmel und Erde geschaffen. Das Kleinste und das Größte. Was wir versäumen zu tun, bringen wir vor dich. Berühre unsere Herzen, dass wir die Größe deiner Schöpfung spüren. Dass wir, was wir lieben und brauchen, so behandeln, wie es richtig ist.
Berühre unsere Herzen, Gott, dass wir aus Freude an deiner Schöpfung die Welt zum Guten verändern. Schenke uns Hoffnung, Mut, Unverdrossenheit und die Gewissheit, dass alles, was wir beitragen dass jede kleine Veränderung gut und wichtig ist.  Dass jede und jeder von uns einen Teil beitragen kann.
Amen.

Für die Pflege der Gemeinschaft untereinander

Imam Abdellah El Boutakmanti – Marokkanische Tawhid-Moschee-Gemeinde

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen!
Der Islam ist eine universelle Religion, die ihre Botschaft an die gesamte Menschheit richtet, diese Botschaft, die Gerechtigkeit gebiete, Ungerechtigkeit verbietet und zu einem positiven Zusammenhalt aller Menschen in einer Atmosphäre der Brüderlichkeit und Toleranz unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe und Glauben aufruft. Alle stammen von einer Seele ab, wie im Heiligen Koran angegeben ist.
Allah sagt: „O (ihr) Menschen, fürchtet euren Herrn, der euch aus einem einzigen Wesen erschaffen hat.“ (Koran Sure 4 An-Nisa, Die Frauen – Ver s 1)
Allah sagt weiter: „Nimm den Überschuss, gebiete das allgemein Gute und wende dich von den Toren ab!“ (Koran Sure 7 Al-A’raf, Der Wall, Die Höhen – Vers 199)
Allah sagt: „Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung und streite mit ihnen in bester Weise. Gewiss, dein Herr weiß sehr wohl, wer von Seinem Weg abirrt und er kennt sehr wohl die Rechtgeleiteten.“ (Koran Sure 16 An-Nahl, Die Bienen, Vers 125)
Allah sagt auch: „Und streitet mit den Leuten der Schrift nur in bester Weise, außer denjenigen von ihnen, die Unrecht tun. Und sagt: „Wir glauben an das, was (als Offenbarung) zu uns herabgesandt worden ist und zu euch herabgesandt worden ist; unser Gott und euer Gott ist Einer, und wir sind Ihm ergeben.“ (Koran Sure 29 al Ankabut, Die Spinne, Vers 46)

Für Toleranz

Siegfried Martin – Gemeindevorsteher der Neuapostolischen Kirchengemeinde

Ewiger Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde, an einem besonderen Ort beten wir dich an und danken dir für die Fülle deiner Gaben. Wir beten für Frieden. Frieden in der Welt. Frieden in unserer Stadt. Frieden für die Gestorbenen, die Getöteten und Ermordeten. Frieden in unseren Familien. Frieden in unserem Herzen.
Wir bekennen, dass du der allmächtige Gott bist, der alles kann, der alles weiß. Du bist der Gott der Liebe. Kein Mensch ist von deiner Liebe ausgeschlossen.
Wir sind dazu bestimmt, in Harmonie mit dir, unserem Schöpfer, mit der Schöpfung, mit dem Nächsten und mit uns selbst zu leben. Guter Gott, du hast uns besondere Eigenschaften verliehen. Die Fähigkeit zur Kommunikation, das Mitteilen von Gedanken, Gefühlen, Vorstellungen.
Wir beten um Frieden, weil Menschen in unserer Zeit immer rücksichtsloser danach streben, die eigenen Ziele zu erreichen; Konflikte ausgetragen und schmerzhafte Eskalationen in Kauf genommen werden; bei vielen Menschen aber auch ein großes Sehnen nach Frieden vorhanden ist.
Wenn wir Reue zeigen, Buße tun und zur Versöhnung bereit sind, können wir zum Frieden kommen.
Wir erfahren über die Medien oder erleben im Alltag intolerantes Verhalten anderen gegenüber. Es werden Menschen ausgegrenzt, abgelehnt, misshandelt, verfolgt, vertrieben, getötet. Lieber Gott, schenke diesen Menschen Beistand, Hilfe, Schutz und Trost. All dieses Leid hat viele Begriffe, die vor unseren Augen sind.
Menschen, die anders sind als wir selbst, begegnen wir manchmal mit Unsicherheit oder Misstrauen. Anderen gegenüber haben wir uns vielleicht selbst schon einmal intolerant verhalten. Intoleranz verärgert und verletzt. Wir wollen Menschen mit anderem Aussehen oder anderen Meinungen tolerant begegnen und in jedem Mitmenschen ein von Gott geliebtes Geschöpf sehen.
Durch eine großzügige Geisteshaltung und Duldsamkeit gegenüber anderen können wir unsere Toleranz zum Ausdruck bringen. Für ein friedliches Zusammenleben von Menschen ist Anerkennung und Respekt unumgänglich. Mit Einfühlungsvermögen und Verständnis für andere wollen wir Nächstenliebe üben, aber gleichwohl zwischen Gut und Böse beziehungsweise Richtig oder Falsch unterscheiden. Wir erwarten von anderen, dass sie unseren Glauben und unser daraus resultierendes Verhalten respektieren. Das verpflichtet uns, auch ihre Ansichten zu respektieren. Von schädigenden Meinungen wollen wir uns nicht beeinflussen lassen oder uns dem verkehrten Verhalten anderer anpassen.
Allmächtiger Gott deine Gebote sind Ausdruck deiner Liebe. Mit den Geboten wendest du dich an alle Menschen und nimmst den Einzelnen in die persönliche Verantwortung für sein Verhalten und seine Lebensführung. Die Gebote sind uns eine Hilfe, im Einklang mit Gottes Willen und untereinander harmonisch leben zu können.
Im uneigennützigen Einsatz zum Wohl anderer, vorrangig solcher, die in irgendeiner Weise benachteiligt sind, wollen wir Nächstenliebe praktizieren. Je mehr sie angewandt wird, desto mehr Not wird gelindert, desto harmonischer gestaltet sich das Zusammenleben.
Der Sonntag ist der Festtag der Seele, hier steht sie mit ihren Bedürfnissen, wie Frieden und Gemeinschaftspflege im Vordergrund. Das dritte Gebot fordert dazu auf, einen Tag der Woche von den anderen abzusondern, um Gott anzubeten, dankbar seiner Heilstaten zu gedenken und sich mit seinem Wort zu befassen. Vor 1700 Jahren wurde der Sonntag zum allgemeinen Ruhetag im Römischen Reich bestimmt. Wir sind dankbar, dass diese Regelung in christlichen Ländern bis heute weitgehend ihre Gültigkeit behalten hat. An dieser Regelung wollen wir festhalten. Bestrebungen, den Sonntag allen anderen Tagen gleichzusetzen, begegnen wir nicht gleichgültig.
Lieber Gott, schenke uns deine Hilfe, deinen Segen und deinen Frieden, um verantwortungsbewusst handeln zu können. Amen.

Die Eheleute Ulrike Walther und Lutz Berger am Klavier und die Querflötistin Susanne Frank unterstützen das Friedensgebet musikalisch.

Fürbitten für die Verantwortlichen in Stadt und Kreis Dietzenbach, in den Religionen und in den Religionsgemeinden

Luisa Feliz vom Leitungskreis der Jesus-Gemeinde

Im Namen Jesu werde ich beten.
In Römerbrief 13:1 in der Bibel steht geschrieben, dass es jede Obrigkeit von Gott eingesetzt ist. Deshalb bete ich zu Dir, Jesus, dass Du den Verantwortlichen in dieser Stadt Deine Weisheit und Erkenntnisse gibst. Damit Sie wissen, wie sie diese Stadt führen und gute Entscheidungen für Bürger und Gemeinwesen treffen können. Vor allem in dieser schwierigen Zeit der Pandemie- und Klimakrise brauchen wir Dich.
Ich bete für alle Religionsgemeinschaften, ungeachtet der verschiedenen Glaubensrichtungen, dass sich die Gemeinden mit Respekt und Wertschätzung begegnen.
Vater im Himmel, schenke uns Deine Liebe in unsere Herzen, weil nur Du das tun kannst. So bete ich in Namen Jesus.
Amen.

Für Versöhnung

Pfarrer Stefan Barton – Katholische Pfarrgemeinde St. Martin

Allmächtiger und guter Gott, die Geschichte unserer Menschheit ist gepflastert von Krieg, Gewalt, Hass, Zerstörung, Streit und Ausgrenzung. Oft genug scheint es, als ob der Mensch nicht friedlich mit sich und seiner Umwelt leben kann. Und doch wollen wir alle friedlich miteinander leben und das Leben gestalten.
Was kann uns den Ausweg aus der Spirale von Unfrieden und Gewalt weisen? Deine Antwort lautet „Versöhnung“.
Hilf uns die Wege zur Versöhnung zu suchen und lasse sie uns mutig beschreiten im menschlichen Miteinander und mit dir, Gott, an unserer Seite.
Lass die Bereitschaft und den echten Willen zur Versöhnung wachsen. Schenke unserem Land stete Versöhnungsbereitschaft im politischen und gesellschaftlichen Leben.
Wir wissen, dass echte Versöhnung nicht ohne dich, Gott, möglich ist. Schenke uns auch im interreligiösen Miteinander Versöhnung und Frieden unter den Religionen.
Für uns katholische Christen ist es heute bedeutsam, dass wir dieses interreligiöse Friedensgebet am Gedenktag des Heiligen Bruders Klaus von Flüe begehen. Er gilt in unserer Überlieferung als der Friedensstifter der schweizerischen Eidgenossenschaft und hat hier vor allem Versöhnung ermöglicht.
Allmächtiger Gott, wir bitten Dich um die Gabe deines Heiligen Geistes zu einer echten Versöhnungsbereitschaft in allen Bereichen unserer menschlichen Existenz. Denn wir wissen uns geschaffen als deine Kinder und bauen fest auf deine Wegbegleitung und deine große Compassion, deine große Mitleidenschaft für unser Heil. Amen.

Für die Stärkung des Glaubens

Kirchenvorsteherin Agnes von Knorre und Pfarrer Uwe Handschuch – Evangelische Martin-Luther-Gemeinde

Im Neuen Testament, im Hebräerbrief findet sich im elften Kapitel eine wunderbare Definition von „Glauben“. Dort heißt es (11,1): Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Wir wollen für die Stärkung unseres Glaubens beten.
Großer Gott, wenn unser Vertrauen auf dich gegen Null tendiert; wenn wir dir und deiner Macht nichts mehr zutrauen und deine Treue als Trugbild erachten – dann stärke unseren Glauben.
Großer Gott, wenn wir, die wir an dich glauben, uns gegenseitig nur mit Misstrauen begegnen; wenn wir einander alles zutrauen, nur nicht, dass wir uns einfach vertrauen könnten – dann stärke unseren Glauben.
Großer Gott, wenn wir nicht mehr die Hoffnung haben, dass die Zukunft anders sein könnte als die Vergangenheit; wenn uns unsere Zuversicht keine Aussicht mehr in der Gegenwart bietet – dann stärke unseren Glauben.
Großer Gott, wenn die Zweifel in uns überhand nehmen und sie sich auswachsen wie Unkraut; wenn unsere Fragen verhallen und wir noch nicht einmal auf die Suche nach Antworten gehen – dann stärke unseren Glauben.
Großer Gott, wenn unsere Ungeduld jedes keimende Pflänzchen zertrampelt; wenn unsere Unruhe auch noch unseren Mitmenschen die Ruhe nimmt – dann stärke unseren Glauben.
Großer Gott, wenn wir uns so klein fühlen, weil wir so wenige und die anderen so viele sind; wenn wir spüren, dass es mit unserer Macht nie getan ist – dann stärke unseren Glauben.
Großer Gott, wenn wir denken, der Glaube der anderen würde unseren Glauben schmälern; wenn wir meinen, wir müssten die Besseren auch noch in Glaubensdingen sein – dann stärke unseren Glauben.
Großer Gott, wenn unser Glaube noch nicht einmal die Größe eines Senfkorns erreicht; wenn wir mit unseren leeren Händen vor dir stehen – dann fülle sie mit Hoffnung, dann lass unsere Zuversicht wachsen, dann stärke unseren Glauben. Amen.

Für Nächstenliebe, Frieden und Pluralismus

Anna Kushnir – Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main

Es gab einmal einen alten weisen Mann. Sein Name war Hillel. Hillel kam in seiner Jugend aus Babylonien nach Jerusalem und gründete später seine eigene Schule. Er lehrte die Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit und hatte zahlreiche Schüler und wurde später Rabbiner. Eines Tages kam ein fremder Mann in seine Stadt und stellte ihm eine einfache Frage, ob er ihm die Tora lehren kann, während er auf einem Bein steht? Es klingt schwierig und fast unmöglich, nicht wahr? Die Tora hat so viel Wissen, das kann man nicht so einfach beibringen, während jemand auf einem Bein steht! Rabbiner Hillel meinte jedoch, er wird es probieren. So stellte er sich auf ein Bein und sprach folgenden Satz: „Was dir nicht lieb ist, das tue auch deinem Nächsten nicht.“ Dies ist die ganze Gesetzeslehre. Alles andere sind nur Erläuterungen. Geh‘ und lehre sie.
Zum einen sind wir für uns selbst verantwortlich, zum anderen für die Welt. Wir selbst entscheiden über unser Handeln. Es zählt nicht, wer du bist, woher du kommst, welche Sprache du sprichst oder welche Religion du glaubst. Deine Taten, deine Gedanken, dein Herz sind entscheidend. Es liegt in unseren Händen, ob wir in einer Welt leben wollen, in der Gewalt nicht toleriert wird. Eine Welt, in der wir uns für Toleranz und Akzeptanz und für den Frieden einsetzen wollen. Rabbiner Hillel legte die Tora aus und behandelte wichtige Fragen der jüdischen Ethik. Seine Weisheiten sind Teil einer Sammlung von Gelehrten des Judentums. Diese nennt man „Sprüche der Väter“ (Pirkei Avot). Im Folgenden möchte ich einen sehr populären Abschnitt daraus vorlesen und im Anschluss erläutern.
אם אין אני לי, מי לי (Im ejn ani li, mi li) Wenn ich nicht für mich bin, wer dann
וכשאני לעצמי, מה אני (Uchsche ani leatzmi, ma ani) Sobald ich für mich bin, wer bin ich dann?
ואם לא עכשיו , אימתי (We im lo achschwach, emataj) Und wenn nicht jetzt, wann dann?
Die erste Frage beschäftigt sich mit dem „Wer bin ich?“ Man soll nicht selbstlos sein und sich an erste Stelle setzen. Denn wenn ich mich nicht um mich selbst kümmere, wer soll es sonst tun? Die zweite Frage dreht sich um das „Was bin ich?“ Es ist eine Gegenfrage zur ersten Frage. Und wenn du dich um dich selbst kümmerst, welche Stellung in der Gesellschaft hast du dann? Der dritte Teil fragt „Wann werde ich es sein?“ Wenn ich es nicht mache, weder für mich, noch für die Gesellschaft, dann soll ich jetzt damit anfangen. Vielen, denen ich das erste Mal begegne, sind erstaunt darüber, wenn Sie herausfinden, dass ich jüdisch bin. Ich bin nicht verwundert. Ich lebe einen ganz gewöhnlichen Alltag in Deutschland. Ich bin hier geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen und studiere hier. Viele erzählen mir, ich sei eine der wenigen jüdischen Personen, vielleicht sogar die erste, die sie treffen. Gleichzeitig beobachte ich auch in den vergangenen Jahren den Zuwachs an Antisemitismus, die Anschläge in Halle und Hanau. Doch das jüdische Leben Deutschland dreht sich nicht nur um Antisemitismus und Holocaust. Es gibt ein aktives und buntes jüdisches Leben in Deutschland. Im Sinne des Friedens und als Teil der Gesellschaft ist es wichtig, füreinander einzustehen.

Wir stehen ein für ein pluralistisches, buntes und friedliches Dietzenbach, Hessen, Deutschland, Europa. Für unsere Nächsten. Denn wenn nicht jetzt, wann dann?

Für das Miteinander der Generationen

Ahmadiyya-Muslim-Jamaat

Im Namen Allahs des Gnädigen, des Barmherzigen. Assalamu Alaikum wa Rahmatullahi wa Barakatuhu, Frieden und Segen Allahs sei mit Ihnen allen!
Mein Name ist Adil Ahmad Khalid, ich bin 28 Jahre alt und Imam und Theologe der Ahmadiyya Muslim Gemeinde und zurzeit tätig in der Abteilung des interreligiösen Dialogs in Frankfurt am Main. Es waren wunderschöne Worte von meinen Vorrednern, aus denen wir vernehmen konnten, dass wir alle gemeinsam das Potential haben, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen. Wir als Menschen, wir als eine Familie. Wir haben allerdings auch Herausforderungen. Auch Problematiken wurden genannt u.a. der Egoismus, der in uns Menschen aufkommt und dazu beiträgt, dass wir leider Gewalt und Hass erleben müssen. Hierzu möchte ich einen Vers aus dem Quran vortragen:
Im Namen Allahs des Gnädigen des Barmherzigen. „Allah gebietet Gerechtigkeit und uneigennützig Gutes zu tun und zu spenden wie den Verwandten; und Er verbietet das Schändliche, dass offenbar Schlechte und die Übertretung. Er ermahnt euch, auf dass ihr es beherzigt.“ (Sure 16 Vers 91) Uneigennützig Gutes zu tun, sollte eine Pflicht für uns alle Menschen sein, vor allem für gläubige Menschen.
Eine Frau aus der islamischen Mystik, Rabia von Basra, zeigte einmal ihren Mitmenschen wie man uneigennützig Gutes tun sollte: Sie kam auf die Straße und hielt eine Fackel in der einen Hand und einen Eimer Wasser in der anderen Hand. Die Leute fragten sie: „Oh Rabia, was hast du mit dem Eimer Wasser vor?“ Sie antwortete: „Mit diesem Wasser will ich das Feuer der Hölle löschen, denn die Angst vor dem Feuer, lässt mich nicht vollkommen Allah lieben.“ Die Leute fragten: „Und was hast du mit der Fackel vor?“ Sie antwortete: „Mit der Fackel will ich die Gärten des Paradieses verbrennen, denn die Gier nach dem Paradies hält mich davor ab, Allah bedingungslos zu lieben.“ Sie demonstrierte uns, dass wir Menschen die Liebe als vollkommen sehen sollten und es keine andere Antriebskraft außer der Liebe sein sollte, die uns dazu motivieren soll, einander zu helfen, einander zu unterstützen. Die Liebe zu unseren Mitmenschen und die Liebe zu Gott.
Vielen Dank.

Für Zusammenhalt und Frieden

Renate Bottmann und Sama Yousefian – Bahai’i-Gemeindegruppe

»Wenn du die Weltgegenden durchstreifst, wirst du zu der Erkenntnis kommen, dass aller Fortschritt auf Vereinigung und Zusammenarbeit beruht, Niedergang jedoch von Feindseligkeit und Hass herrührt. … Deshalb ist alles, was der Vereinigung, Anziehung und Einheit unter den Menschen (kindern) dient, Mittel zum Lebenserhalt für die Menschenwelt;
alles, was Teilung, Abneigung und Entfremdung bewirkt, führt die Menschheit in den Tod. « (Abdu’l-Bahá, Briefe und Botschaften, 225:17-19)
»Bedenkt: die Einheit ist nötig für das Dasein. Liebe ist die wahre Ursache des Lebens, während Trennung Tod bringt. In der Welt der materiellen Schöpfung zum Beispiel verdanken alle Dinge ihr gegenwärtiges Leben der Einheit. Die Urstoffe, aus denen das Holz, das Mineral oder der Stein bestehen, werden durch das Gesetz der Anziehung zusammengehalten. Hörte dieses Gesetz nur einen Augenblick lang auf zu wirken, so würden diese Elemente ihren Zusammenhalt verlieren, sie würden auseinanderfallen, und der Gegenstand in dieser besonderen Form würde nicht mehr bestehen. … Gleichviel ob Blume oder menschlicher Körper, wenn das Prinzip der Anziehung daraus zurückgezogen wird, so stirbt die Blume wie der Mensch. Es ist darum klar, dass Anziehung, Einklang und Liebe Ursache des Lebens sind, wogegen Abstoßung, Misshelligkeiten, Hass und Trennung Tod bewirken  … Darum sollte jeder Diener des einen Gottes dem Gesetz der Liebe folgen und jederlei Hass, Uneinigkeit und Streit vermeiden. « (Abdu’l-Bahá, Ansprachen in Paris, 42:5-9)
»Liebe ist das größte Gesetz, das diesen mächtigen, himmlischen Zyklus regiert, die einzigartige Kraft, welche die verschiedenen Elemente der stofflichen Welt zusammenhält, die höchste Anziehungskraft, welche die Bewegung der Sphären in den Himmelsreichen regiert. Liebe enthüllt mit unfehlbarer, grenzenloser Kraft die verborgenen Geheimnisse des Weltalls. Liebe ist der Geist des Lebens für den geschmückten Leib der Menschheit. Sie errichtet in dieser vergänglichen Welt wahre Kultur « (Abdu’l-Bahá, Briefe und Botschaften, 12:1)
»Wendet euch der Förderung von Wohlfahrt und Ruhe unter den Menschenkindern zu. Widmet eueren Geist und Willen der Erziehung der Völker und Geschlechter auf Erden, damit die Zwietracht, die diese Erde spaltet, … von ihrem Angesicht getilgt und alle Menschen zu Verfechtern einer Ordnung und zu Bewohnern einer Stadt werden. Erleuchtet und heiligt euere Herzen. Lasst sie nicht entweiht werden von den Dornen des Hasses und den Disteln der Bosheit. Ihr wohnt in einer Welt und seid durch das Wirken eines Willens erschaffen. Selig ist, wer sich mit allen Menschen im Geiste größter Freundlichkeit und Liebe vereinigt.« (Bahá’u’lláh, Ährenlese, 156:1)
»Verkehrt mit allen Menschen in Liebe und Eintracht. Eine freundschaftliche Gesinnung ist die Ursache der Einigkeit, und Einigkeit ist die Quelle der Ordnung in der Welt. …« (Bahá’u’lláh, Worte der Weisheit)
»Ruhen Sie nicht, bis jeder Einzelne, mit dem Sie zu tun haben, für Sie wie ein eigenes Familienmitglied ist. Betrachten Sie jeden entweder als Vater oder Bruder oder Schwester oder Mutter oder als Kind. Wenn Sie das erreichen, werden sich Ihre Probleme lösen und Sie werden wissen, was zu tun ist. « (Abdu’l-Bahá in London, S. 98)
»Der Friede muss zuerst unter den einzelnen Menschen gestiftet werden, bis er schließlich zum Frieden unter den Nationen führt… Strebt deshalb mit ganzer Kraft danach, … Das ist eure Aufgabe. « (Abdu’l-Bahá, Briefe und Botschaften, 201:2)

Für die Menschen in Afghanistan

Helga Giardino – Ausländerbeirat Dietzenbach

Die Ereignisse in Afghanistan haben sich in den letzten Monaten überschlagen…
Gott, unser Vater, sei du bei den Menschen in Afghanistan:
Wir beten für alle, die in großer Angst um ihre Familien und ihre Zukunft sind, für unzählige Menschen auf der Flucht vor den Taliban; die immer noch verzweifelt auf eine Ausreisemöglichkeit warten; für jene, die bei ihrem Versuch, das Land zu verleassen, zu Tode gekommen sind; für die Frauen und Mädchen, denen das Recht auf Bildung genommen wird, die missbraucht und zwangsverheiratet werden; für die junge Männer, die gezwungen werden, im Dschihad zu kämpfen; für die Kinder, denen eine unbeschwerte Kindheit genommen wird und für alle, die sich über viele Jahre für eine Erziehung zu Freiheit und Demokratie engagiert haben.
Wir beten aber auch für jene, die sich von Gewalt , Terror und Fanatismus hinreißen lassen.
Gott, unser aller Vater, berühre du ihre Herzen, damit endlich Frieden einkehrt – in Afghanistan.
Gott, unser Vater, wir danken dir, dass einige unserer Dietzenbacher Bewohnerinnen und Bewohner mit ihren Kindern nach langen Entbehrungen wieder zuhause sind und die noch Verbliebenen bald wieder heimkehren.
Frieden – Schalom – Salam. Amen.

Lutz Berger, Pianist, Organist und Teamleiter des Dietzenbacher Friedhofs

 

 

 

 

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