Zwölftes Dietzenbacher Friedensgebet

Samstag, 24. September 2022 – 17 Uhr – “Garten der Religionen” auf dem Friedhof Dietzenbach

Begrüßungsansprache

Für Gerechtigkeit

Für die Bewahrung der Schöpfung

Für die Pflege der Gemeinschaft untereinander

Für Toleranz

Für die Verantwortlichen in Stadt, Kreis und Religionen

Für Versöhnung

Für Glaubensstärkung 

Über die Erhörung der Gebete

Für das Miteinander der Generationen

Für Zusammenarbeit und gegenseitigen Austausch

Für ein gerechtes und fürsorgliches Miteinander

Für Nächstenliebe

Begrüßungsansprache

Horst Schäfer, Inspirator und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Religionen in Dietzenbach (“ARD”).

Sehr geehrte Besucher des 12. Dietzenbacher Friedensgebets, liebe Sucher nach Frieden in einer unfriedlichen Welt,
dieses Friedensgebet findet alljährlich im Rahmen der Interkulturellen Wochen (IKW) statt. Das Motto der diesjährigen Interkulturellen Woche lautet erneut:  #offengeht. Nach der IKW-Planungsgruppe soll dieses Motto verstanden werden als  „offen sein im Herzen und im Geist, offen sein für Begegnungen, für neu Dazukommende, für neue Erfahrungen, für neue Perspektiven, für neue Freundinnen und Freunde.“
Beate Sträter, die Vorsitzende des Ökumenischen Vorbereitungsausschusses zur Interkulturellen Woche, wies Anfang Februar 2022 darauf hin, “dass es nur durch den Austausch und die Auseinandersetzung gelingen kann, die seit Jahren ungelösten Probleme anzugehen: Nämlich die zum Teil aberwitzigen Ungerechtigkeiten im Asyl- und Aufenthaltsrechtecht, die Zuwanderungspolitik, der Kampf gegen Rassismus und Rechtsradikalismus, gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit, gegen Ausgrenzung und Diskriminierung und schließlich der Bankrott europäischer Werte an den Außengrenzen, in den Lagern und im Mittelmeer.”
Zwei Wochen nachdem Frau Sträter das formuliert hatte, ließen die diktatorischen Kreml-Imperialisten die Ukraine überfallen. Nunmehr haben sich die außen- und innenpolitischen Probleme verschärft. Millionen Flüchtlinge suchen Schutz, müssen in Europa verteilt und aufgenommen werden. Die Verteidigungs-, Energie-, Gesundheits- – und Sozialdebatten bedrohen den äußeren und inneren Frieden der europäischen Länder. Corona-Leugner und sog. Querdenker treten gemeinsam mit Demokratieskeptikern, -gegnern und -feinden auf. Die Zahl der rassistischen und antisemitischen Übergriffe steigt.
Wir müssen heute zur Kenntnis nehmen, dass Staat, Kommunen und Politik den Frieden auf all diesen Feldern wohl nicht mehr alleine werden bewahren können. Mindestens genauso wichtig sind das Engagement, die Energie, die Unbeirrbarkeit der Vielen an der Basis, in den Kommunen und in der Zivilgesellschaft. Dazu zählt auch der Vorbereitungsausschuss der Interkulturellen Woche, dessen Motto wir heute wieder aufgreifen.
Eine dieser zivilgesellschaftlichen Akteure in Dietzenbach ist die Arbeitsgemeinschaft der Religionen. Sie sorgt mit ihren regelmäßigen Begegnungen für einen dauerhaften Gedankenaustauch und wirkt durch das wiederkehrende Entdecken gemeinsamer Interessenfelder verständigungs- und friedensfördernd.
Gedanken zum Frieden haben sich Intellektuelle in allen Jahrhunderten gemacht.
Schon der chinesische Philosoph Lü Buwei (um 300 – 235 v.Chr.) wusste: „Der Friede entspringt aus der Gerechtigkeit.“
Der Talmud lehrt: „Es gibt keine gesegnetere Waffe als den Frieden.“
Der italienische Philosoph und Dominikanerpater Thomas von Aquin erkannte: „Frieden zu haben – das kommt der Liebe zu: Frieden zu gründen aber ist das Amt ordnender Weisheit.“
Der deutsche Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll (1917-1985) schrieb den Menschen ins Gewissen: „Der Krieg wird niemals zu Ende sein solange noch eine Wunde blutet, die er geschlagen hat.“
Der polnische Papst Johannes Paul II., Karol Woityla (1920-2005) wusste aus der Geschichte seines Volkes: „Um das Gut des Friedens zu erlangen muss vollen Bewusstseins festgehalten werden, dass Gewalt ein inakzeptables Übel ist und niemals Probleme löst.“
Jo Bailley Wells, eine Bischöfin der Church of England, sagte vor etwa zwei Wochen auf einem internationalen Friedenskongress von vielen Religionsführern in der kasachischen Hauptstadt Nur-Sultan: „Wir sind der Überzeugung, dass Extremismus, Radikalismus, Terrorismus und alle anderen Formen von Gewalt und Krieg, unabhängig von ihren Zielen, nichts mit wahrer Religion zu tun haben und aufs Schärfste verurteilt werden müssen.“
Der argentinische Papst Franziskus I., Jorge Mario Bergoglio sagte auf dem gleichen Kongress: „Frauen müssen im Kampf um Frieden mehr Aufgaben und größere Verantwortlichkeiten anvertraut werden. Wie viele Entscheidungen des Todes würden vermieden, wenn eben gerade Frauen im Zentrum der Entscheidungen stünden. Lasst uns dafür sorgen, dass sie mehr respektiert, anerkannt und einbezogen werden.“
Der Dalai Lama, das geistige und politische Oberhaupt der Tibeter und Friedensnobelpreisträger, lehrt die Menschheit: „Dauerhafter Frieden beruht auf wechselseitiger Achtung.“
Der in der arabischen Welt verfolgte zeitgenössische islamisch-irakische Dichter Ahmed Matar schreibt: „Der Krieg fängt mit Worten an. Worte umzingeln den Krieg von Anfang bis zu seinem Ende, nämlich Warnung, Ermutigung und Verherrlichung.“
Und “sibyllinisch” dichtet die zeitgenössische Schweizer Lyrikerin Brigitte Fuchs: „Es sagte die Friedenstaube zu ihrem Verehrer: Lass mich in Frieden!“
Wie schwer ist es doch, solch kluge Erkenntnisse für einen Frieden in der Welt zu nutzen?

Für Gerechtigkeit

Agnes von Knorre und Pfarrer Uwe Handschuch, Kirchenvorstand der Evangelischen Martin-Luther-Gemeinde Dietzenbach-Steinberg.

Wenn Jesus beschreiben wollte, was er mit dem „Reich Gottes“ meint, dann sprach er oft von „Gerechtigkeit“. In der Vergangenheit wurde Jesus darum meist so verstanden, dass es ihm um die Gerechtigkeit des einzelnen Menschen vor Gott geht. In den letzten Jahren ist uns immer klarer geworden, dass Jesus auch die Gerechtigkeit in der Welt und für die Welt suchte. Allerdings keine Gerechtigkeit, die im Gehorsam gegenüber menschlichen Ordnungen und Obrigkeiten bestünde, sondern eine Gerechtigkeit, die ein Schutz ist für das Glück und den Frieden der Menschen.
Wir wollen für Gerechtigkeit beten:
Du Gott über allen Völkern und Menschen, wir – in der Gemeinschaft mit allem, was lebt – beten und sehnen uns rund um die Erde nach Frieden und Freiheit für alle, nach Recht und Gerechtigkeit für alle Gruppen in unserer Gesellschaft, für Menschen jeder Hautfarbe, unter den Nationen und Mächten.
Du Gott über allen Völkern und Menschen, wir sehen aber auch, wie rund um die Erde der Mensch den Menschen verfolgt, unterdrückt, einsperrt, foltert und erschlägt; wie Recht mit Füßen getreten wird, weil Menschen meinen, ihr angeblich „gutes“ Recht mit aller Macht durchsetzen zu müssen.
Du Gott über allen Völkern und Menschen. Richte uns nicht, denn schon durch unsere eigenen Taten sind wir ja gerichtet: wer ungerecht und unrecht handelt, muss ja dann auch selbst in einer ungerechten, halt- und rechtlosen Welt leben. Darum bringe deine Liebe unter uns auf die Tagesordnungen, sonst gehen wir verloren.
Du Gott über allen Völkern und Menschen, wir beten für alle, die auf der Seite der Unterdrückten und Entrechteten stehen, dass sie deinen Weg gehen und nicht den Weg der Gewalt wählen; dass sie ohne Rachegedanken, Hass und Revanchismus deiner Gerechtigkeit näher kommen wollen.
Du Gott über allen Völkern und Menschen. Wir beten für diejenigen, die wir auf der Gegenseite wähnen genauso wie für alle auf unserer Seite, dass wir die Angst voreinander verlieren und mit viel Geduld und Hartnäckigkeit das abbauen, was Angst unter und zwischen uns erzeugt. Lass uns einander gerecht werden, indem wir uns gegenseitig wahrnehmen und achten.
Du Gott über allen Völkern und Menschen, stifte uns zu Taten deiner Gerechtigkeit an, die Vergebung, Gnade, Barmherzigkeit und Versöhnung kennt, damit es Friede werde auf Erden. Amen.

Für die Bewahrung der Schöpfung

Mehmet Sertdere, Jugendleiter der türkischen DITIB-Fatih-Moschee.

In Gottes Hand liegt die Herrschaft und in seiner Hand liegt der Segen.  Er ist der, der die Macht über alle Dinge hat.  Er hat das Leben als auch den Tod erschaffen.  Er prüft, wer die besseren Taten in dieser Welt verrichtet. Er stellt uns auf die Probe, sowohl mit Gutem als auch mit Schlechtem. Was uns vielleicht als Schönheit in dieser Welt erscheint, kann ein Hindernis für uns und unsere Gesellschaft darstellen.  Und manchmal erscheint etwas Unschönes in unserem Leben, und hindert uns zu glauben.
So lasst uns unseren Glauben an IHN und seine Schöpfung nicht vergessen. Lasst uns nicht zu den Menschen werden, die Ihren Glauben verlieren, in Egoismus und Selbstverliebtheit versinken, und meinen, die ihnen anvertrauten Reichtümer seien nur ihr Eigentum. Lasst uns nicht zu Menschen werden, die Ihren Glauben verlieren, und Ihre Augen vor dem Leid der Menschen in dieser Welt verschließen.
Unser Glaube ermöglicht es uns zu erkennen, dass die Welt uns allen gehört.  Unser Glaube ermöglicht es uns zu erkennen, dass nicht wir die Richter über die Menschen sind, sondern ER.  Nur Unser wahrhaftiger Glaube an IHN ist die Rettung und Erlösung des Menschen.

Für die Pflege der Gemeinschaft untereinander

Ute Zanger und Pfarrerin Andrea Schwarze, Kirchenvorstand der Evangelischen Christus-Gemeinde.

Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der HERR. (Jesaja 57,19)
Du Gott des Friedens, hilf uns, in unserem persönlichen Miteinander für den Frieden einzustehen, bei den Worten, die wir benutzen, bei unseren Gesten und unseren Handlungen. Was ich tun kann, kann ich für deinen Frieden tun und für ein friedliches Miteinander.
Du Gott des Friedens,  hilf uns,  in unserem öffentlichen Leben auf Beleidigungen, Anschuldigungen und Verleumdungen zu verzichten.  Das dient nicht dem Frieden: Hetze im Internet, Ausgrenzungen und Diskriminierung. Was ich tun kann, kann ich für deinen Frieden tun und für ein friedliches Miteinander.
Du Gott des Friedens, hilf uns,  zu erkennen, wenn andere Frieden bewusst zerstören wollen, hilf uns dabei, Einspruch zu erheben, im Gespräch zu bleiben und dabei nicht zu akzeptieren, wenn Frieden gebrochen und zerstört wird. Was ich tun kann, kann ich für deinen Frieden tun und für ein friedliches Miteinander.
Du Gott des Friedens, hilf uns, unseren Kindern zu zeigen, dass wir für den Frieden eintreten und wir gewillt sind, Frieden an sie weiterzugeben. Wir wollen Kinder, die wissen, was Frieden für unser und ihr Leben bedeutet. Lass die Lehrer und Lehrinnen in den Schulen, die Erzieherinnen und Erzieher dazu beitragen, mit den Kindern den Frieden, den wir uns alle wünschen, zu leben. Wir bitten darum, dass wir die Menschen, die diese verantwortungsvolle Aufgabe haben, unterstützen. Was ich tun kann, kann ich für deinen Frieden tun und für ein friedliches Miteinander.
Du Gott des Friedens, hilf uns am heutigen Tag bitten wir besonders für die Religionsgemeinschaften in Dietzenbach. Wir wollen uns anstrengen, uns wahrzunehmen, uns persönlich zu kennen, Gastfreundschaft miteinander zu haben. Unterstütze die Menschen dort in ihren Aufgaben, wohin sie hingestellt sind, in den Vorständen der einzelnen Religionsgemeinschaften, dass alles dir zum Lob und zur Ehre und deinem Frieden diene und die Religionen deinen Frieden in die Welt hineinstrahlen. Was ich tun kann, kann ich für deinen Frieden tun und für ein friedliches Miteinander.
Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der HERR. Amen.

Für Toleranz

Imam Abdellah El Boutakmanti und Vorsteher Rachid Azzamouri, Marokkanische Tawhid-Moschee-Gemeinde.

Der Islam ist eine globale Religion, die ihre Botschaft an die ganze Menschheit Richtet. Die Botschaft, die Gerechtigkeit gebietet und Ungerechtigkeit verbietet. Dies verlangt ein positives Zusammenleben aller Menschen, in einer Atmosphäre der Brüderlichkeit und Toleranz unter allen Menschen, unabhängig von Nationalitäten, Hautfarbe und des Glaubens. Denn alle stammen von derselben Person ab.
Wie es im Heiligen Koran steht:
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen: Oh ihr Menschen, fürchtet euren Herrn, der euch aus einem einzigen Wesen schuf. Nimm den Überschuss, gebiete das allgemein Gute und wende dich von den Toren ab. Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schönen Ermahnungen und streite mit ihnen in bester Weise.

Die Eheleute Ulrike Walther und Lutz Berger am Klavier.

Querflötistin Susanne Frank mit “Syrinx” von Claude Debussy.

Fürbitten für die Verantwortlichen in Stadt und Kreis Dietzenbach, in den Religionen und in den Religionsgemeinden

Gemeindevorsteher Siegfried Martin, Neuapostolische Kirchengemeinde.

Allmächtiger Gott, wir beten dich an. Du bist gegenwärtig. Du wandelst dich nicht. Danke für deine Liebe, deine Gnade, deine Hilfe, deinen Segen und deine Treue. Wir kommen zu dir und beten für Menschen, die sich in großer Not befinden. Weltweit gibt es viele Menschen in unterschiedlichsten Nöten! Du kennst sie, und du kannst helfen. Wir beten für die Verant-wortlichen in der Stadt und dem Kreis, in den Religionen und in den Religionsgemeinden.
Die Welt und ihre Gesellschaft verändern sich stetig. Die Geschwindigkeit, mit der dies geschieht, nimmt laufend zu. Ängste und Sorgen breiten sich aus.
Der Mensch hat einen Auftrag in der Welt und an der Welt und trägt Verantwortung für sich selbst wie für die gesamte Schöpfung. Das gilt für jede und jeden, nicht nur für die Großen und Mächtigen. Von sehr großer Bedeutung ist dabei die Wechselwirkung zwischen dem Handeln des Einzelnen und den Auswirkungen dieses Handelns auf das Ganze dieser Welt.
Ewiger Gott, stehe den Verantwortlichen in der Stadt und dem Kreis, in den Religionen und in den Religionsgemeinden bei. Gib Einsicht und Tatkraft, dass sie sich für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Schutz des Lebens und Fortschritt einsetzen. Stärke das Verantwortungs-bewusstsein, die Folgen des eigenen Tuns und Lassens im Hinblick auf das Wohl der Menschen und auf die eigenen Entscheidungen mit einbeziehen zu können.
Gewissenhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit sind Ausdruck der Verantwortung vor Gott und den Menschen.
Guter Gott, wir vertrauen der Kraft deiner Liebe und auf deine Hilfe. Amen.

Für Versöhnung

Imam Rana Sheraz Ahmad, Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde Dietzenbach.

Mirza Ghulam Ahmad, der Gründer der Ahmadiyya Muslim Gemeinde schrieb in einem seiner Werke:
Es ist ein großartiger Grundsatz, der den Frieden fördert, das Fundament von guter Übereinstimmung legt und der Sittlichkeit zugutekommt, nämlich dass wir alle Propheten als wahrhaftig akzeptieren sollten, egal ob sie in Indien oder Persien oder China oder in irgendeinem anderen Land erschienen sind. Gott setzte ihre Ehre und Erhabenheit in Millionen von Herzen fest und befestigte die Wurzeln ihrer Religionen und ließ sie jahrhundertelang blühen. Dies ist der Grundsatz, den der Heilige Qurʾan uns gelehrt hat. Diesem Grundsatz zufolge ehren wir den Gründer einer jeden Religion, die festbegründet ist, egal, ob der Hindus, Perser, Chinesen, Juden oder Christen.“ (Tuḥfa-e Qaiṣariya, Ruhani Khazain, Bd. 12, S. 259)
Dieser Grundsatz veranlasste letztlich den Verheißenen Messias (Friede sei auf ihm) als letztes Werk eine Botschaft der Versöhnung (Titel des Buches) an alle Menschen zu versenden. Es war sein Herzensanliegen, die interreligiösen Spannungen zu beseitigen und die Gemeinsamkeiten betonend, Frieden und Harmonie zwischen allen Menschen zu schaffen, weshalb er in jenem Werk wie folgt an sie appellierte:
Freunde! Es gibt keine Sache, die vergleichbar mit einer Versöhnung ist. Lasst uns durch diese Vereinbarung eins und zu einem Volke werden. (Botschaft der Versöhnung, S. 37)
Der Versöhnungscharakter ist keineswegs ein Novum der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde, sondern inspiriert von den islamischen Lehren. So sagte der Heilige Prophet Muhammad (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm): Es ist einem Muslim nicht gestattet, länger als drei Tage mit seinem Bruder zerstritten zu sein und den Kontakt zu meiden.
Genauso heißt es im 4.Kapitel des Heiligen Quran im Vers 129:  Versöhnung ist das Beste.
Möge  Allah der Allmächtige  mit Ihnen allen sein. Amin.

Für die Stärkung des Glaubens

Pfarrer Martin Weber, leitender Pfarrer der Katholischen Pfarrei St. Martin.

Guter Gott, wir beten um Glauben, um Stärkung im Glauben. Hilf, dass unser Glaube  nicht fanatisch oder rechthaberisch ist, Andere ausschließt oder verdammt, nichts ist, was spaltet sondern zusammenführt.
Schenke uns vielmehr einen Glauben, der Dir in Allem vertraut und der uns so Frieden in unserem eigenen Inneren schenkt, der unser Herz zur Ruhe kommen lässt. Das ist Dein Friede, der alles Verstehen übersteigt.
Gib uns einen Glauben, der sich in der Liebe erweist in unserer kleinen Welt, dort wo wir leben und arbeiten. Mache uns gerade dort zu Botschaftern und Botschafterinnen Deiner Liebe. Wir können geben, weil wir selbst von Dir beschenkt sind.
Manchmal ist unser Glaube schwach und klein. Zuweilen macht das mutlos. Sende uns in diesen Momenten Deinen guten und großen Geist, der uns antreibt, aber auch als stille Macht immer wieder ermutigt.
Sende diesen Geist in die Herzen aller Menschen des Glaubens, dass er uns antreibt den Frieden und das Verstehen zu suchen. Guter Gott, stärke unseren Glauben. Amen.

Über die Erhörung der Gebete

Jacob Hirschberg, Jüdische Gemeinde Offenbach.

Nach dem jüdischen Glauben beginnt morgen Abend das jüdische Neujahr Fest (Rosh Hashana) des Jahres 5783. An diesem Tag entscheidet G´tt, ob das nächste Jahr ein gutes oder ein schlechtes Jahr sein wird. Doch der Mensch kann das g´ttliche Urteil ändern, indem er Tschuwa, (die Rückkehr), Tfila (das Gebet) und Zdaka (die aktive Wohltätigkeit) macht.
Ich möchte mit Ihnen kurz auf einen Aspekt des Gebets eingehen.
Warum beten wir eigentlich? Wenn G´tt allmächtig ist, sollte er doch ganz genau wissen, was wir brauchen. Warum müssen wir ihn für selbstverständliche Dinge anflehen? Kann er sie uns nicht einfach geben?
Einer der vielen Gründe, warum der Mensch betet, ist, damit er sich immer wieder erinnert an das,was er eigentlich will. Nur dann kann man was verändern und zum nächsten Schritt, der Zdaka gehen und handeln. Wir kommen heute hier zusammen und beten für Frieden. Wir wollen Frieden und das machen wir uns klar. Es ist für mich etwas ganz Besonderes mit Ihnen hier, jedes Jahr, über so tiefgründige Dinge nachzudenken. Es gibt Hoffnung, weil wir daran denken und nicht vergessen, dass wir gemeinsam auf dieser Welt leben.
Mögen wir alle aus den Krisen etwas lernen und hoffen wir, dass sie bald beendet werden. Möge jedem, der Probleme hat geholfen werden und mögen wir weiter Kraft finden uns für das Gute einzusetzen.
In diesem Kontext möchte ich ein Gebet sprechen, welches an Rosh Hashana gesprochen wird.
אָבִינוּ מַלְכֵּנוּ. חָנֵּנוּ וַעֲנֵנוּ. כִּי אֵין בָּנוּ מַעֲשִׂים. עֲשֵׂה עִמָּנוּ צְדָקָה וָחֶסֶד
Unser Vater, unser König. Sei gnädig und erhöre unsere Gebete. Denn wir haben wenig was uns loben kann, geh gütig und sanft mit uns um und rette uns.

Für das Miteinander der Generationen

Pastor Stefan Wenzel, Jesus-Gemeinde Dietzenbach.

Unser Vater, der du bist im Himmel, so beginnt das Gebet, das uns unser Herr Jesus Christus gelehrt.
Wir danken dir Vater, dass du ein Gott der Generationen bist, Vater, Sohn, Kinder. Wir danken dir, dass du, Vater, deinen Sohn geopfert hast, er für unsere Schuld am Kreuz gestorben ist, damit wir als Kinder angenommen sind und Vater sagen können.  So bestätigt es uns dein Wort im Galaterbrief 4,6. Wir danken dir, dass du der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, ein Gott der Lebenden und der Generationen bist. Wir bitten dich, dass wir hier in Dietzenbach ein gutes Miteinander der Generationen leben, dass wir die „Alten“ respektieren, ihnen dienen, sie wertschätzen. Wir beten, dass wir die junge Generation in allen Bereichen fördern wollen, in Kindertagesstätten, Schulen, Ausbildung, und helfen wollen, dass sie in ihre Berufung finden.
Ich segne uns in Jesu Namen. Amen.

Für Zusammenarbeit und gegenseitigen Austausch

Renate Bottmann und Nadja Brezan, Bahai’i-Gemeindegruppe.

Abdul Bahá, der Sohn des Religionsstifters Bahaá ‘ullah, sagte in einer Ansprache, die er am 21.Oktober 1911 in Paris hielt:
Ich hoffe, dass ihr alle glücklich und wohlauf seid.  Ich bin nicht glücklich, sondern sehr betrübt. Die Nachricht von der Schlacht bei Benghazi (vom Oktober 1911 im osmanisch-italienischen Krieg) bekümmert mein Herz. Ich wundere mich über die menschliche Grausamkeit, die noch in der Welt ist. Wie können Menschen von morgens bis abends kämpfen, einander töten und das Blut ihrer Mitmenschen vergießen? Und wofür? Nur, um die Herrschaft über ein Stück Erde zu gewinnen! Selbst die Tiere haben beim Kampf einen unmittelbaren und vernünftigeren Anlass für den Angriff! Wie schrecklich ist es, dass sich Menschen, die dem höheren Reiche angehören, so erniedrigen, dass sie ihre Mitgeschöpfe um den Besitz eines Landstriches erschlagen und mit Elend überziehen!
Das höchste der erschaffenen Wesen kämpft um die niederste Form des Stoffes: Erde.  Das Land gehört nicht `einem Volke, sondern allen. Diese Erde ist nicht des Menschen Heim, sondern sein Grab. Es ist um ihre Gräber, worum diese Menschen kämpfen.
Wie groß auch der Eroberer sein mag, wie viele Länder er auch versklavt, er kann von diesen verwüsteten Ländern nichts behalten, als ein winziges Stück: sein Grab.
Aber der Krieg wird gemacht, um den menschlichen Ehrgeiz zu befriedigen. Um des weltlichen Gewinnes einiger Weniger willen wird schreckliches Elend über ungezählte Heime gebracht und das Herz von Hunderten von Männern und Frauen gebrochen!
Ich heiße euch alle und jeden von euch, alles, was ihr im Herzen habt, auf Liebe und Einigkeit zu richten. Wenn ein Kriegsgedanke kommt, so widersteht ihm mit einem stärkeren Gedanken des Friedens. Ein Hassgedanke muss durch einen mächtigeren Gedanken der Liebe vernichtet werden. Kriegsgedanken zerstören alle Eintracht, Wohlfahrt, Ruhe und Freude. (Abdu’l-Bahá, Ansprachen in Paris, 6.1-6.7, 21.10.1911)
Was die Menschheit am dringendsten benötigt, ist Zusammenarbeit und gegenseitiger Austausch.  Je ausgeprägter Freundschaftsbande und Zusammenhalt unter den Menschen sind, desto stärker werden konstruktive Kräfte und Errungenschaften alle Ebenen menschlichen Handelns durchdringen. (Abdu’l-Bahá, Promulgation, Ansprache 25.09.1912, unveröffentlichte Übersetzung)
Der Schmuck (des Menschen) ist umfassendes Wissen, geistige Wahrnehmung, wissenschaftliche Entdeckungen, Gerechtigkeit, Unparteilichkeit, Wahrhaftigkeit, Güte, natürlicher Mut und angeborene Seelenstärke; Rücksicht und Einhaltung von Verträgen und Bündnissen; Geradheit unter allen Umständen und Dienst an der Wahrheit in allen Lebenslagen; Aufopferung für das allgemeine Wohl und Güte und Achtung für alle Völker. (Abdu’l-Bahá, Beantwortete Fragen, 85)
Wenn du die Weltgegenden durchstreifst, wirst du zu dem Ergebnis kommen, dass aller Fortschritt auf Vereinigung und Zusammenarbeit beruht, Niedergang jedoch von Feindseligkeit und Hass herrührt. (Abdu’l-Bahá, Briefe und Botschaften, 225:17)

Für ein gerechtes und fürsorgliches Miteinander

Helga Giardino, Ausländerbeirat Dietzenbach

Gütiger Gott, wir sehnen uns danach miteinander in Frieden zu leben.
Wenn Egoismus und Ungerechtigkeit überhandnehmen, wenn Gewalt zwischen Menschen ausbricht, wenn Versöhnung nicht möglich erscheint, bist Du es, der uns Hoffnung auf Frieden schenkt.
Wenn Unterschiede in Sprache, Kultur oder Glauben uns vergessen lassen, dass wir Deine Geschöpfe sind, und dass Du uns die Schöpfung als gemeinsame Heimat anvertraut hast, bist Du es, der uns Hoffnung auf Frieden schenkt.
Wenn Menschen gegen Menschen ausgespielt werden, wenn Macht ausgenutzt wird, um Andere auszubeuten, wenn Tatsachen verdreht werden um Andere zu täuschen, bist Du es, der uns Hoffnung auf Frieden schenkt.
Lehre uns, gerecht und fürsorglich miteinander umzugehen und der Korruption zu widerstehen. Schenke uns mutige Frauen und Männer, die die Wunden heilen, die Hass und Gewalt an Leib und Seele hinterlassen. Lass uns die richtigen Worte, Gesten und Mittel finden um den Frieden zu fördern.
In welcher Sprache wir Dich auch als Fürst des Friedens bekennen: Lass unsere Stimmen laut vernehmbar sein gegen Gewalt und gegen Unrecht. Amen.

Für Nächstenliebe

Gemeindevorsteher Bilant Dursun, Syrisch-orthodoxe Kirchengemeinde St. Maria Dietzenbach-Steinberg.

Wir, die syrisch-orthodoxe Kirche St. Maria in Dietzenbach-Steinberg, haben uns für das Thema “Nächstenliebe” entschieden, da die Nächstenliebe im Christentum eine große Rolle spielt.
Das Christentum ist geprägt von Liebe, da Gott seinen Sohn, Jesus Christus, aus Liebe zu den Menschen auf die Welt geschickt hat und Jesus sich aus Liebe zu den Menschen hat kreuzigen lassen, um diese von ihren Sünden zu befreien. Um unsere Dankbarkeit bzw. um unsere Liebe im christlichen Glauben auszudrücken, müssen wir aber neben Gott vor allem unseren Nächsten wahrhaftig lieben. Dieses Gebot besteht seit Beginn des Christentums und hat bis heute noch volle Gültigkeit, weshalb die Nächstenliebe verbunden mit der Gottesliebe das „Hauptgebot“ des Christentums darstellt. Gott hat nämlich aus Liebe zu den Menschen alle Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen und ist deshalb kein „National-Gott“, der bestimmte Nationen bevorzugt und andere benachteiligt, sondern liebt seine Kinder in gleichem Maße. Ein Handeln geprägt von Nächstenliebe bestätigt deshalb eine verantwortliche Haltung gegenüber der gesamten Schöpfung und allen Geschöpfen dieser Welt, wie es Jesus von uns gefordert hat.
Vater im Himmel, wir danken dir, dass du aus Liebe zu uns Menschen deinen Sohn auf die Welt geschickt hast, um uns von den Sünden zu befreien. Herr, wir bitten dich, führe uns weise und schenke auch uns Menschen Kraft, damit wir in Nächstenliebe handeln können.
In den Medien erfahren wir tagtäglich von Krankheiten wie Corona, Leid und Kriegen. Wir sehen, dass Menschen in anderen Ländern mitten im Krieg aufwachsen und dass es ihnen an lebensnotwendigen Gütern fehlt. Herr, schenke uns Kraft, dass wir für die Bedürftigen Verantwortung übernehmen können. Schenke uns Kraft, dass wir jegliche betroffene Menschen in unser Gebet aufnehmen können. Schenke uns ebenfalls Kraft, dass wir allen Betroffenen zur Seite stehen können.
Auch im normalen Alltag – schenke uns Kraft, dass wir jeden Menschen wertschätzen und so behandeln, wie wir auch behandelt werden möchten. Es fängt schon bei gutgemeinten Ratschlägen an, die wir weitergeben, damit die ratsuchende Person ihre Sichtweisen erweitern kann. Vater unser im Himmel, schenke uns diese Kraft, denn nur so können auch wir dir beweisen, dass wir dich, Herr allmächtiger Gott, wahrhaftig lieben. Denn die Liebe zu dir, Gott, ist ohne die Liebe des Nächsten nicht möglich. Amen.

 

 

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